Es gibt Momente, in denen ein Index eine Aussage trifft, die kein Analyst so klar formulieren würde. Der 21. September wird so ein Moment. Dann verlässt Volkswagen den EuroStoxx 50, den Leitindex der Eurozone, in dem die 50 schwersten und bedeutendsten Unternehmen Europas versammelt sind. Oder eben waren.
Mehr als ein Viertel weg, und das erst der Anfang
Der Indexanbieter ISS Stoxx gab den Rauswurf am Dienstagabend bekannt. Die Begründung steckt in den Zahlen: Die VW-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. Wer fünf Jahre zurückblickt, sieht ein Minus von fast zwei Dritteln. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein struktureller Absturz.
Neben VW fliegt auch der niederländische Informationsdienstleister Wolters Kluwer aus dem Index. Aufgenommen werden dafür der finnische Netzwerkausrüster Nokia und der französische Energiekonzern Engie. Wolfsburg weicht Helsinki.
Was der Rauswurf praktisch bedeutet
Indexänderungen klingen nach Verwaltungsakt. Sind sie aber nicht, zumindest nicht für die Aktie. Fonds, die den EuroStoxx 50 real nachbilden, müssen VW-Papiere verkaufen und das in erheblichem Umfang. Der Verkaufsdruck kommt also nicht aus einer neuen schlechten Nachricht über das Unternehmen, sondern schlicht aus der Mechanik des Marktes. Wer nicht mehr drin ist, wird rausgeworfen.
Ob das die Aktie kurzfristig weiter belastet oder ob der Markt das längst eingepreist hat, ist offen. Die YTD-Bilanz von knapp 28 Prozent im Minus legt nahe, dass viele den Wolfsburgern schon länger den Rücken kehren. Der Indexrauswurf ist demnach eher Quittung als Auslöser.
Krisenfolge, nicht Krisenbeginn
Dass ISS Stoxx die Entscheidung selbst als „Krisenfolge“ einordnet, sagt eigentlich alles. VW ist nicht aus dem EuroStoxx 50 geflogen, weil sich die Lage verschlechtert hat. VW ist geflogen, weil die Lage schon lange schlecht ist. Der Index hat das jetzt nur noch amtlich gemacht.
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