Mit einer vertieften Kooperation im Batteriebereich und einer politischen Initiative zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit setzt Volkswagen strategische Akzente. Die konzerneigene Batterietochter PowerCo und der chinesische Partner Gotion High-tech haben Vereinbarungen für drei gemeinsame Unternehmen geschlossen.
Die Joint Ventures zielen auf die industrielle Fertigung von Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen (LFP) sowie Kathodenmaterial an den Standorten Valencia in Spanien, Šurany in der Slowakei und Kenitra in Marokko ab.
Im Rahmen dieser Transaktion vereinbarte der Wolfsburger Konzern zudem den Verkauf eines Aktienanteils von 5,3 Prozent an Gotion. Medienberichten zufolge plant Gotion im Gegenzug ein Investment von 1,1 Milliarden Euro in das spanische Batteriewerk von Volkswagen. Der Vollzug der Verträge steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben.
Europäische Industrieinitiative vor Pariser Messe
Flankierend zu den operativen Schritten in der Zellfertigung stellte der Konzern am Donnerstag seine Initiative „For Europe“ vor. Das Unternehmen betont darin die Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten, Industriearbeitsplätze sowie gezielter Investitionen in Batterietechnik, Software und Elektromobilität.
Im Vorfeld der Automobilmesse in Paris kündigte Volkswagen für den 11. Oktober einen Dialog mit Vertretern aus Politik, Medien und Wirtschaftsverbänden an. Ab dem 12. Oktober wollen mehrere Konzernmarken dort neue Fahrzeugmodelle der Öffentlichkeit präsentieren.
Schwerer Stand am Kapitalmarkt
Die strategischen Schritte erfolgen vor dem Hintergrund erheblicher geschäftlicher Belastungen. Vor rund zwei Wochen hatte der Vorstand seine Prognose für das Gesamtjahr drastisch gesenkt.
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet der Konzern mit einem Umsatz von rund 315 Milliarden Euro und einer operativen Umsatzrendite von lediglich bis zu 1 Prozent, nachdem zuvor 4,0 bis 5,5 Prozent in Aussicht gestellt worden waren.
Sonderbelastungen von insgesamt etwa 10 Milliarden Euro belasten das Ergebnis, darunter eine nicht zahlungswirksame Firmenwertabschreibung von rund 6 Milliarden Euro auf das Porsche-Geschäftssegment.
An der Börse hinterlässt diese Entwicklung deutliche Spuren. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 35 Prozent und schloss am Freitag bei 67,60 Euro.
Analysten sehen Chancen und Risiken
In den Finanzhäusern fallen die Reaktionen auf die aktuelle Gemengelage differenziert aus. Michael Punzet von der DZ Bank senkte den fairen Wert am 21. September von 75 auf 73 Euro und stufte das Papier auf „Halten“ ein. Als Begründung verwies der Analyst auf die reduzierte Margenerwartung, die das Erreichen der für 2030 gesteckten Ziele anspruchsvoller mache.
Zuversichtlicher äußerte sich Stephen Reitman von Bernstein Research am 23. September. Bei einer Einstufung auf „Market-Perform“ und einem Kursziel von 100 Euro merkte er an, dass europäische Hersteller wie Volkswagen der chinesischen Konkurrenz besser trotzen könnten, als der Kapitalmarkt derzeit unterstelle.
Klarheit über den aktuellen Geschäftsverlauf erhalten Marktteilnehmer am 29. Oktober. An diesem Tag legt Volkswagen den Zwischenbericht für die ersten neun Monate des Jahres vor.
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