Volkswagen kämpft zum Wochenauftakt an zwei Fronten gleichzeitig. Während sich der Aktienkurs im XETRA-Handel etwas erholt, wachsen die internen Spannungen zwischen den Marken. Im Kern steht ein tiefer Riss zwischen der profitablen Tochter Porsche und der kriselnden Kernmarke VW.
Ungleiche Sparlasten sorgen für Unmut
Die Porsche-Belegschaft blickt entspannt in die Zukunft. Ein neues „Zukunftspaket“ sichert die Standorte Zuffenhausen und Weissach bis zum Jahr 2035 ab. Parallel dazu muss die Kernmarke Volkswagen über massive Kürzungen und Restrukturierungen verhandeln. Diese langfristige Garantie bei der Sportwagentochter stößt bei den Angestellten der Volumenmarken auf Unverständnis.
Konzernchef Oliver Blume steckt in einer Zwickmühle. Er leitet beide Unternehmen in Personalunion. Blume argumentiert, jede Marke müsse einen individuellen Beitrag zum Gesamtziel leisten. Indes sieht der Porsche-Deal zwar einen Abbau von rund 5.000 Stellen vor. Dieser soll jedoch sozialverträglich über das nächste Jahrzehnt erfolgen. Der Kontrast zur unsicheren Lage in den VW-Werken belastet das Betriebsklima erheblich.
Klarstellung zur Handelspolitik
VW korrigiert Berichte über seine Haltung gegenüber China. Der Konzern fordert keine neuen Zölle auf Plug-in-Hybride aus Fernost. Stattdessen setzt Wolfsburg auf eine umfassende Prüfung, um faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer sicherzustellen. Das Unternehmen reagiert damit auf den wachsenden Marktanteil chinesischer Anbieter in diesem Segment.
Parallel dazu treibt der Vorstand den Umbau der Konzernstrukturen voran. VW will die Modellvielfalt markenübergreifend von rund 150 auf unter 100 Varianten senken. Das Ziel: Hohe Profitabilität bei einem stagnierenden Weltmarkt von etwa neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr.
Besonderen Fokus legt das Management auf die „Urban Car Family“. Durch gemeinsame Plattformen sollen die Entwicklungskosten künftig in dreistelliger Millionenhöhe sinken. Die Fixkosten will der Konzern auf das Niveau des Branchendurchschnitts drücken, um die Margen der Volumenmarken nachhaltig zu stabilisieren.
Verhandlungen unter Zeitdruck
Trotz der kurzfristigen Kurserholung bleibt die Aktie im laufenden Jahr mit einem Minus von 26,3 Prozent stark belastet. Das Papier notiert aktuell bei 76,76 Euro. Damit liegt der Kurs weiterhin deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 92,40 Euro.
Entscheidend werden die kommenden Monate. Bis zum Jahresende fordern die Arbeitnehmervertreter eine tragfähige Lösung für die deutschen Standorte. Neue Details zur operativen Entwicklung der einzelnen Sparten liefern bald die Finanzberichte der Konzerntöchter für das erste Halbjahr.
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