Bei Porsche wird aus der einstigen Gewinnmaschine des Volkswagen-Konzerns gerade der größte Sanierungsfall der Gruppe. Bis 2035 soll jede fünfte Stelle wegfallen. Für die Muttergesellschaft ist das nur der Auftakt zu einem weit größeren Kahlschlag.
Management und Arbeitnehmervertreter haben sich auf 5.000 zusätzliche Stellenstreichungen geeinigt, ohne betriebsbedingte Kündigungen — über natürliche Fluktuation und freiwillige Programme. Das Paket folgt auf 3.900 bereits vereinbarte Stellen aus dem Februar 2025 sowie weitere 500 Kürzungen, die der neue Porsche-Chef Michael Leiters in diesem Jahr angekündigt hatte. Ende 2024 beschäftigte Porsche noch rund 42.600 Menschen.
Hintergrund ist der Einbruch im einst hochprofitablen China-Geschäft und eine ins Stocken geratene Elektrostrategie. Im Gegenzug für den Stellenabbau garantiert der Konzern die Standorte bis 2035 und investiert 2,1 Milliarden Euro in das Werk Zuffenhausen sowie das Entwicklungszentrum Weissach.
VW-Chef Oliver Blume, der die Doppelrolle als Porsche-Lenker inzwischen abgegeben hat, drängt derweil auf eine Verdopplung der konzernweiten Einsparungen auf 100.000 Stellen. Vier Werke gelten als gefährdet, sollten sie nach 2030 nicht wettbewerbsfähig werden — darunter auch ein Audi-Standort.
Audi kappt Prognose, Mutter VW trifft es härter
Genau bei Audi zeigt sich das Ausmaß der Krise bereits in Zahlen. Der Quartalsgewinn brach um rund 21 Prozent auf 563 Millionen Euro ein. Die Ingolstädter kappten ihre Umsatzprognose für 2026 auf 58 bis 63 Milliarden Euro, nachdem noch nach dem ersten Quartal eine Spanne von 63 bis 68 Milliarden Euro gegolten hatte. Auch das Margenziel sank, von 6 bis 8 Prozent auf nun 5 bis 7 Prozent.
Damit kommt Audi im Vergleich zur Konzernmutter noch glimpflich davon: Bei Volkswagen selbst brach der Quartalsgewinn um rund ein Drittel ein — deutlich stärker als bei der Tochter. Das China-Geschäft, das bei Audi über Joint Ventures im Finanzergebnis verbucht wird, trug im ersten Halbjahr nur noch 73 Millionen Euro bei, nach fast vier Mal so viel im Vorjahreszeitraum.
Konzernzahlen zeigen gemischtes Bild
Im zweiten Quartal lag der VW-Konzernumsatz bei rund 82 Milliarden Euro, leicht über dem Vorjahr. Das operative Ergebnis sank jedoch auf etwa 3,5 Milliarden Euro von knapp 3,8 Milliarden Euro, die Marge rutschte von 4,7 auf 4,2 Prozent. Die Auslieferungen gingen um rund 9 Prozent auf 2,1 Millionen Fahrzeuge zurück.
Regional zeigt sich ein klares Muster: Westeuropa legte im Halbjahr um rund 3 Prozent zu, Südamerika um etwa 8 Prozent — während die Auslieferungen in China um rund 26 Prozent einbrachen. Der europäische Auftragsbestand für vollelektrische Fahrzeuge wuchs dagegen um mehr als 50 Prozent. Für 2026 rechnet der Konzern nun mit einem Umsatzrückgang zwischen 3 und 0 Prozent, die Margenspanne von 4,0 bis 5,5 Prozent blieb bestätigt.
Die Vorzugsaktie notiert aktuell im Bereich von 71 Euro und damit nahe eines mehrfach getesteten Bodens. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben gilt technisch erst oberhalb der 50-Tage-Linie bei rund 81 Euro als Signal, eine übergeordnete Trendwende erst über der Marke von 90 bis 95 Euro.
Bis Ende des Jahres will Blume sein Sparpaket für den Gesamtkonzern festzurren. Erst dann dürfte klar werden, welche Werke und wie viele der geplanten 100.000 Stellen tatsächlich betroffen sind.
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