Schwache Zahlen, steigender Kurs — bei Volkswagen passt das gerade nicht zusammen. Tochter Audi kappt die Prognose, doch die Vorzugsaktie legt zeitweise zu. Für Anleger stellt sich die Frage, ob der Ausverkauf der vergangenen Wochen bereits eingepreist war.
Audi bremst die eigenen Ziele
Audi rechnet im laufenden Jahr mit deutlich weniger Umsatz als bislang geplant. Die neue Spanne liegt bei 58 bis 63 Milliarden Euro, fünf Milliarden niedriger als noch nach dem ersten Quartal in Aussicht gestellt. Auch die operative Marge soll nur noch zwischen 5 und 7 Prozent liegen statt der zuvor angepeilten 6 bis 8 Prozent.
Der Gewinn nach Steuern sank im zweiten Quartal um rund 21 Prozent auf 563 Millionen Euro. Damit fällt der Rückgang bei Audi deutlich moderater aus als beim Gesamtkonzern, wo der Quartalsgewinn zuletzt um rund ein Drittel einbrach. Sparmaßnahmen zeigen bei der Ingolstädter Tochter offenbar bereits Wirkung.
Belastend wirkt vor allem China: Das dortige Geschäft, das bei Audi wegen der Joint-Ventures im Finanzergebnis auftaucht, trug im ersten Halbjahr nur noch 73 Millionen Euro bei — knapp ein Viertel des Vorjahreswerts. Hinzu kommt starker Preisdruck in den USA und schwächelnder Absatz.
Bodenbildung oder nur eine Pause im Abwärtstrend?
Charttechnisch zeigt die VW-Vorzugsaktie derzeit eine Flaggenformation, die klassischerweise den vorherrschenden Trend bestätigt — und der zeigt seit Wochen nach unten. Trotzdem blieb der befürchtete größere Ausverkauf nach den schwachen Halbjahreszahlen vom vergangenen Freitag aus. Via Xetra stieg die Aktie zeitweise um 1,57 Prozent auf 72,58 Euro, während die Negativschlagzeilen längst bekannt waren.
Ob daraus eine echte Bodenbildung wird, hängt auch von der Konzernstrategie ab. VW-Chef Oliver Blume denkt über die Streichung von mehreren Zehntausend Stellen nach, vier Werke stehen auf dem Prüfstand. Für Neckarsulm wurde die Streichung der Nachtschicht bereits bestätigt, Werksschließungen will Blume nach eigenen Worten aber vermeiden.
Insiderhandel-Vorwürfe als zusätzliche Belastung
Parallel zur operativen Krise beschäftigt ein Insiderhandel-Verfahren zwei VW-Ingenieure und eine weitere Person. Ihnen wird vorgeworfen, mit exklusivem Wissen über den im November 2024 verkündeten 5,8 Milliarden Dollar schweren Rivian-Deal rund 300.000 Dollar verdient zu haben. Den Angeklagten drohen bis zu 25 Jahre Haft — ein Fall, der zwar keinen direkten Einfluss auf die operativen Zahlen hat, aber das ohnehin angeschlagene Bild des Konzerns kaum aufhellt.
Bis Ende des Jahres will Blume sein Sparpaket festzurren. Erst dann dürfte klar werden, welche Werke tatsächlich betroffen sind und wie stark der Konzern seine Kostenbasis tatsächlich senkt.
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