Der Volkswagen-Konzern reagiert mit einem drastischen Sanierungsprogramm auf einen massiven Gewinnrückgang und anhaltende Schwächen im operativen Geschäft. Wie das Unternehmen gestern bekannt gab, brach der Nettogewinn im zweiten Quartal um knapp 33 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro ein. In der Folge korrigierte der Vorstand die Umsatzprognose für das laufende Jahr nach unten und bereitet die Belegschaft auf tiefgreifende Einschnitte vor.
Absatzkrise in China belastet das Ergebnis
Der deutliche Ergebnisrückgang resultiert maßgeblich aus einer schwachen Entwicklung auf dem wichtigsten Einzelmarkt China. Dort sanken die Auslieferungen im zweiten Quartal um 37 Prozent auf rund 424.300 Fahrzeuge. Konzernweit gingen die Auslieferungen im selben Zeitraum um 9 Prozent auf 2,08 Millionen Einheiten zurück. Zwar konnte der Umsatz im Quartal noch leicht um 2 Prozent auf 82,4 Milliarden Euro gesteigert werden, doch das operative Ergebnis sank um 10 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro.
Die operative Marge lag im zweiten Quartal bei 4,2 Prozent und verfehlte damit die Erwartungen vieler Marktteilnehmer. Für das gesamte erste Halbjahr weist Volkswagen eine operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent aus, nach 4,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Belastend wirkten unter anderem Sonderfaktoren wie der Produktionsstopp des Modells ID.4, der mit 500 Millionen Euro zu Buche schlug, sowie eine Belastung von 1,3 Milliarden Euro durch US-Zölle.
Auch die Tochtermarken spürten den Gegenwind. Bei Audi sank der Umsatz im zweiten Quartal von 17,1 Milliarden auf 15 Milliarden Euro. Porsche AG meldete im Autogeschäft einen Umsatz von 7,8 Milliarden Euro und eine operative Marge von 8,9 Prozent. Ein Lichtblick zeigte sich hingegen bei den Elektroauto-Bestellungen in Europa, die im zweiten Quartal um 50 Prozent zunahmen. Insbesondere für den ID. Polo liegen bereits 70.000 Aufträge vor.
Vorstand plant massiven Stellenabbau und Werksschließungen
Angesichts der schwierigen Lage verschärft Konzernchef Oliver Blume den Sparkurs erheblich. Das Ziel ist eine Senkung der Verwaltungskosten um 10 bis 11 Milliarden Euro, um die Gemeinkostenquote von derzeit 16 auf 12 Prozent zu drücken. Die jährliche Produktionskapazität soll in China und Europa um jeweils 500.000 Einheiten auf insgesamt 9 Millionen Fahrzeuge reduziert werden. Der Break-even-Punkt des Konzerns soll künftig bei weniger als 8 Millionen produzierten Fahrzeugen liegen.
Medienberichten zufolge stehen im Rahmen dieses Plans bis zu 50.000 zusätzliche Stellenstreichungen zur Debatte, wobei in einigen Szenarien sogar von einem globalen Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen die Rede ist. In Deutschland stehen vier Werke auf dem Prüfstand, konkret genannt werden die Standorte Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm. Das Sparpaket soll bis Ende des Jahres finalisiert und durch den Aufsichtsrat gebracht werden. Parallel dazu plant Volkswagen eine massive Komplexitätsreduzierung: Die Modellpalette soll halbiert und die Anzahl der Ausstattungsoptionen um 75 Prozent gesenkt werden.
Umsatzprognose gesenkt und Marktreaktion
Für das Gesamtjahr 2026 zeigt sich das Management deutlich vorsichtiger. Die Umsatzprognose wurde von ursprünglich erwarteten Steigerungen zwischen 0 und 3 Prozent auf nunmehr minus 3 bis 0 Prozent korrigiert. Bei den Auslieferungen rechnet der Konzern mit einem Rückgang von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zielspanne für die operative Marge von 4,0 bis 5,5 Prozent behielt das Unternehmen hingegen bei und setzt dabei auf eine Verbesserung der Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte.
Die Analysten von JPMorgan ordneten die Zahlen als schwächer als erwartet ein, verwiesen jedoch auf einen soliden freien Mittelzufluss. Analyst Jose Asumendi betonte, dass der Konzern die Erwartungen verfehlt habe, was den Druck auf die Aktie erhöhte. Das Papier schloss am Freitag bei 71,48 Euro, was einem Tagesminus von 1,43 Prozent entspricht. Damit notiert der Titel mit einem Abstand von nur noch 3,29 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust der Volkswagen-Aktie bereits auf 31,37 Prozent.
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