Bei Volkswagen zeichnet sich ein Tarifkonflikt ab, den die Gewerkschaft selbst als potenziell größten der Firmengeschichte beschreibt. Der erste Verhandlungstermin steht in einem Monat an. Die Fronten sind schon jetzt verhärtet.
Verhandlungen in Emden und Zwickau
Die Tarifrunde beginnt am 24. November in Emden, weiter geht es am 15. Dezember in Zwickau. Beide Seiten haben sich auf diese Orte verständigt. An beiden Standorten ist die Zukunft der Werke offen. Die IG Metall will zusätzlich in Hannover verhandeln und lehnt die Wolfsburger Vorstandsetage als Verhandlungsort ab.
Der Haustarif gilt für rund 130.000 Beschäftigte. VW hat zehn Tarifverträge ganz oder teilweise gekündigt, darunter Regelungen zu Arbeitszeit, Urlaub und Zulagen. Konkrete Forderungen hat das Unternehmen noch nicht vorgelegt. Sie sollen erst am Verhandlungstisch folgen.
Zusätzliche Stellen im Visier
Neu ist eine Zielmarke für die Kernmarke: Bei der Volkswagen AG sollen bis 2030 weitere 12.000 Stellen sozialverträglich wegfallen. Hinzu kommt der bereits vereinbarte Abbau von mehr als 35.000 Jobs. Konzernweit peilt der Vorstand um Oliver Blume im Rahmen seines Zukunftsplans rund 50.000 Stellen an, verbunden mit Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich.
Als Instrument bringt VW Transfergesellschaften ins Spiel, in die Beschäftigte freiwillig wechseln könnten. An der Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 will das Unternehmen festhalten. Personalvorstand Arne Meiswinkel spricht von einer drastisch verschlechterten wirtschaftlichen Lage und von akutem Handlungsbedarf. Er fordert wettbewerbsfähige Arbeitskosten und einen flexibleren Personaleinsatz.
Gewerkschaft rüstet auf
Die IG Metall wertet die Kündigungen als Vertrauensbruch und die Transfergesellschaften als Wortbruch. Bezirksleiter Thorsten Gröger formuliert es so: „Bevor die Beitragszahler einspringen, sind die Aktionäre in der Pflicht.“ Betriebsratschefin Daniela Cavallo befürchtet, VW wolle die Beschäftigungssicherung auf diesem Weg aushebeln.
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld, macht aber klar, dass es dabei nicht bleiben muss. Sie nennt etwa eine Verlängerung der Altersteilzeit und eine Fortschreibung der Beschäftigungssicherung als mögliche Ziele. Gröger spricht von einer Auseinandersetzung, die „größer werden könnte als alles, was dieser Konzern jemals erlebt hat“. Man sei auf Eskalation vorbereitet.
Zum Vergleich: Die Runde 2024 brauchte unter besseren wirtschaftlichen Bedingungen fünf Verhandlungsrunden und Warnstreiks. Diesmal gilt ein Ende vor 2027 als unwahrscheinlich.
Warnstreiks sind erst nach Ablauf der Friedenspflicht am 31. Dezember möglich. Zu diesem Datum laufen auch die gekündigten Verträge aus. Ein Ergebnis müssten zudem die IG-Metall-Mitglieder bestätigen.
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