Die EU-Kommission hat den Verkauf von 51 Prozent der Everllence-Anteile an Bain Capital am Donnerstag ohne Auflagen genehmigt. Damit ist eine wichtige Hürde für die milliardenschwere Transaktion gefallen, die Volkswagen im Zuge seines „Group Target Picture 2030“ eingeleitet hat.
Rückzug aus dem Großmotorengeschäft
Volkswagen trennt sich von der Mehrheit an Everllence, dem früheren Marinemotoren- und Turbomaschinenbauer MAN Energy Solutions. Der Konzern hatte den Verkauf im Juni angekündigt, der Abschluss wird nun bis Ende 2026 erwartet. Volkswagen behält zunächst 49 Prozent der Anteile und soll rund 7,4 Milliarden Euro aus der Transaktion erhalten.
Für die rund 16.000 Beschäftigten an deutschen Standorten wie Augsburg, Oberhausen, Berlin, Hamburg und Ravensburg hat der Konzern Standortsicherheit bis mindestens Ende 2030 zugesagt; betriebsbedingte Kündigungen schließt Volkswagen für diesen Zeitraum aus.
Der Schritt fügt sich in den radikalsten Konzernumbau der Unternehmensgeschichte, den Volkswagen im Juli mit dem „Group Target Picture 2030“ skizziert hatte. Ziel ist eine operative Marge von 8 bis 10 Prozent sowie eine Cash Conversion von mehr als 60 Prozent.
Bis zu 100.000 Stellen sollen im Zuge dieser Neuausrichtung wegfallen. Der Verkauf des Großmotorengeschäfts passt zu dieser Strategie: Volkswagen konzentriert sich zunehmend auf sein Kerngeschäft mit Fahrzeugen und lässt sich Randaktivitäten von externen Investoren finanzieren.
Belastung durch China und schwache Auslieferungen
Der Rückzug aus Everllence ist auch deshalb bedeutsam, weil das operative Kerngeschäft unter Druck steht. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Volkswagen weltweit 4,1 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In China brachen die Auslieferungen um 26 Prozent ein, im zweiten Quartal allein um 37 Prozent.
Der Konzern hatte daher seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt: Statt eines Anstiegs von 0 bis 3 Prozent erwartet Volkswagen nun eine Entwicklung zwischen minus 3 und 0 Prozent. Die Zielspanne für die operative Marge blieb dagegen mit 4,0 bis 5,5 Prozent unverändert.
Positiv sticht die Nachfrage im Elektrosegment hervor: Für die ID.Polo-Familie gingen binnen wenigen Wochen mehr als 70.000 Bestellungen ein, die Bestellungen für Elektrofahrzeuge in Europa legten im zweiten Quartal um 50 Prozent zu. Das dämpft die Sorgen um den Modellwechsel im Volumensegment etwas, kann den China-Rückgang aber bislang nicht ausgleichen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat die Nachricht bislang keine spürbare Erholung ausgelöst. Die Aktie notiert bei 72,82 Euro und damit rund 5 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 76,64 Euro — ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Trend trotz der Everllence-Freigabe abwärtsgerichtet bleibt. Seit Jahresbeginn verlor das Papier 30 Prozent an Wert, belastet von der gesenkten Konzernguidance und der China-Schwäche.
Auf Führungsebene vollzieht Volkswagen ebenfalls Veränderungen: Angelika Spallek übernahm zum 1. August die Position der Arbeitsdirektorin und Geschäftsführerin von Volkswagen Group Services und folgt damit auf Alexandra Baum-Ceisig.
Die nächste Standortbestimmung für Anleger liefern die Q3-Zahlen, die für den 29. Oktober angesetzt sind. Bis dahin dürfte der Fortschritt bei Kostensenkung und Konzernumbau im Mittelpunkt stehen — nicht zuletzt, weil der Abschluss der Everllence-Transaktion bis Ende 2026 einen konkreten nächsten Meilenstein markiert.
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