Volkswagen präsentiert ein neues Geschäftsmodell rund ums Elektroauto — und der Kurs fällt trotzdem auf ein 52-Wochen-Tief. Das beschreibt die Lage bei VW gerade ziemlich genau.
Bidirektionales Laden als Erlösquelle
Konzerntochter Elli hat am 23. Juni ein integriertes Vehicle-to-Grid-Paket für Deutschland vorgestellt. Es verbindet kompatible Elektrofahrzeuge, den Elli BiDi Charger, den Volkswagen Naturstrom V2G Flow Tarif und eine Steuer-App. Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und CUPRA zeigen das Angebot gemeinsam auf der Power2Drive in München.
Das Prinzip: Ein Elektroauto lädt nicht nur Strom, sondern speist Energie in definierten Zeitfenstern zurück ins Netz. Volkswagen sieht darin einen Weg, Mobilitätskosten zu senken und das Stromsystem flexibler zu machen. Die technische Basis bilden rund eine Million bidirektional vorbereitete MEB-Fahrzeuge in Europa — davon etwa 360.000 in Deutschland.
Gestartet wird mit Fahrzeugen ab ID. Software 3.5 mit mindestens 77 kWh Batteriekapazität sowie allen ID. Modellen mit ID. Software 6. Kunden der Marken Volkswagen, VW Nutzfahrzeuge und CUPRA in Deutschland kommen zuerst dran. Frankreich und Großbritannien sollen folgen, sobald die regulatorischen Voraussetzungen stimmen.
Kein Umsatzausblick, kein Investitionsvolumen
Aus Anlegersicht ist das Konzept interessant — die Zahlen fehlen jedoch. Volkswagen nennt weder einen Umsatzausblick noch ein Investitionsvolumen oder eine Marge für das neue Angebot. Für Kunden ist im ersten Vertragsjahr ein Bonus von bis zu 720 Euro möglich. Den Bestellstart für Wallbox und Tarif plant Volkswagen für Ende 2026.
Elli soll die energiewirtschaftliche Integration, Tariflogik und Vermarktung von Batterieflexibilität übernehmen. Das klingt nach einem echten Ökosystem-Ansatz. Ob er sich rechnet, bleibt vorerst offen.
Barclays bleibt optimistisch — mit Abstrichen
Barclays hat das Kursziel am 23. Juni von 125 auf 120 Euro gesenkt, die Einstufung „Overweight“ aber bestätigt. Analyst Henning Cosman bezeichnete VW weiterhin als bevorzugten europäischen Autowert. Die Unterperformance gegenüber dem europäischen Sektorindex floss dabei ausdrücklich in seine Bewertung ein.
Der Kurs spiegelt das schwierige Umfeld klar wider. Mit 76,54 Euro notiert die Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Tief von 76,44 Euro und liegt rund 19 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresanfang steht ein Minus von knapp 28 Prozent. Der RSI von 23 zeigt technisch überverkaufte Bedingungen an — eine Erholung allein aus dem V2G-Paket hat der Markt bislang nicht eingepreist.
Am 13. Juli folgt ein H1 PreClose Conference Call, am 24. Juli präsentiert Volkswagen den Halbjahresfinanzbericht. Dann wird sich zeigen, ob das Management neben neuen Produktideen auch Fortschritte bei Margen und Cashflow vorweisen kann — genau das, worauf der Markt wartet.
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