Die Auseinandersetzung um die Zukunft des Volkswagen-Konzerns hat die Bundespolitik erreicht. Nach einem Treffen mit Vizekanzler Klingbeil in Wolfsburg forderte Konzernbetriebsratschefin Cavallo gestern verbindliche Jobzusagen für die deutschen Standorte.
Gleichzeitig drängen Arbeitnehmervertreter und Politik auf ein Eingreifen der Europäischen Union: Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch asiatische Hersteller verlangen sie rasche Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride sowie strenge Vorgaben für die lokale Wertschöpfung in Europa.
Klingbeil sicherte Unterstützung für einen schärferen Kurs gegenüber Peking zu und befürwortet neben Importabgaben auch Vorgaben zu Gemeinschaftsunternehmen für chinesische Autobauer, die eigene Werke auf dem Kontinent errichten wollen.
Der Druck auf Wolfsburg wächst vor allem im Fernost-Geschäft: War Volkswagen zwischen 2008 und 2023 durchgehend Marktführer in China, fiel das Unternehmen zuletzt hinter Konkurrenten wie BYD und Geely zurück. Der Gewinnbeitrag der dortigen Gemeinschaftsunternehmen, der in Spitzenzeiten rund fünf Milliarden Euro betrug, schrumpfte zuletzt auf unter eine Milliarde Euro.
Milliardenschwerer Umbau und unklare Werkschancen
Hinter den politischen Forderungen steht eine drastische Restrukturierung des Heimatgeschäfts. Neben einem bereits vereinbarten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen in Deutschland stehen konzernweit weitere 50.000 Stellen zur Disposition.
Nach Medienberichten kalkuliert der Vorstand für die Umsetzung des Sparprogramms mit Kosten von bis zu 16 Milliarden Euro. Bis zu zehn Milliarden Euro sind dabei für Abfindungen und Altersteuerzeitregelungen bis 2030 vorgesehen.
Zudem belasten strukturelle Fragen die Fertigung. Für mögliche Produktionsanpassungen an den Standorten Zwickau, Emden, Hannover und im Audi-Werk Neckarsulm stehen jeweils Summen von bis zu zwei Milliarden Euro im Raum. Ziel der Restrukturierung unter Konzernchef Blume ist es, die operative Umsatzrendite der Kernmarke bis 2030 auf neun Prozent zu heben, nachdem sie im ersten Halbjahr 2026 bei 3,8 Prozent gelegen hatte.
Rückschläge bei neuen Mobilitätsdiensten
Zu den bestehenden Baustellen im klassischen Fahrzeugbau kommen Belastungen in zukunftsorientierten Bereichen. Beim konzerneigenen Fahrdienst Moia blieb die Suche nach externen Investoren bislang ohne Ergebnis. Das Manager Magazin berichtete, dass Verhandlungen mit den Mobilitätskonzernen Uber und Lyft über eine Beteiligung an dem Robotaxi-Projekt gescheitert sind.
Volkswagen investierte bislang rund zwei Milliarden Euro in die Plattform und benötigt Schätzungen zufolge mindestens eine weitere Milliarde Euro für die Weiterentwicklung des autonom fahrenden Kleinbusses auf Basis des ID.Buzz.
An der Börse spiegeln sich die anhaltenden Herausforderungen deutlich wider. Im heutigen Handel gibt die Volkswagen-Aktie leicht um -0,2 Prozent auf 80,48 Euro nach.
Analysten bewerten die Perspektiven des Konzerns trotz der aktuellen Hürden unterschiedlich. Das Bankhaus Berenberg stuft das Papier unverändert mit „Buy“ und einem Kursziel von 100 Euro ein, gestützt auf die Umbaumaßnahmen und die Strategie für das China-Geschäft.
Bei Jefferies fällt das Urteil mit einem Kursziel von 120 Euro noch optimistischer aus. Dagegen sieht Bernstein Research das Potenzial vorsichtiger und führt den Titel mit der Einstufung „Market Perform“ bei einem Kursziel von 100 Euro.
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