Volkswagen zieht beim autonomen Fahren den Stecker. Der Autokonzern beendet seine Entwicklungsallianz mit dem Zulieferer Bosch. Damit scheitert ein echtes Prestigeprojekt. VW-Chef Oliver Blume vollzieht einen radikalen Strategiewechsel.
Mangelnde Fortschritte und Sparzwang
Die Unternehmen lösten ihre „Automated Driving Alliance“ zum 1. Juli auf. VW verliert damit seinen wichtigsten Partner für die hauseigene Software-Tochter Cariad. Rund 1,5 Milliarden Euro flossen bereits in das Projekt. Die internen Ergebnisse enttäuschten offenbar massiv.
Besonders beim freihändigen Fahren im Stadtverkehr hinkt die Technik der Konkurrenz hinterher. Dieses Level 2++ gilt branchenweit als entscheidend für moderne Autos. Mangelnde Fortschritte und ein strenger Sparzwang führten nun zum endgültigen Abbruch.
Blume setzt auf externe Zulieferer
VW baut seine Fahrassistenzsysteme künftig nicht mehr komplett selbst. Das Management kauft Hard- und Software ab sofort extern ein. Konzernchef Blume setzt auf hohes Tempo und schnelle Skalierbarkeit. Er beerdigt damit die In-House-Strategie seines Vorgängers.
Die bisher entwickelte Technik landet allerdings nicht im Müll. VW integriert sie in kommende Modelle. Den Anfang macht der ID.Every1. Das Auto läuft ab dem Jahr 2027 in Portugal vom Band.
Der Betriebsrat von Cariad kritisiert den Kurswechsel scharf. Die Befürchtung: Der Konzern verliert wichtiges Know-how und zukünftige Wertschöpfung. Bosch federt das Aus derweil gut ab. Der Zulieferer verbucht für die Systeme bereits Aufträge anderer Autohersteller.
Aktie tief im roten Bereich
Die Nachricht trifft die Volkswagen-Aktie in einer extrem schwachen Phase. Das Papier ging am Donnerstag bei 73,18 Euro aus dem Handel. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf gut 31 Prozent.
Erst Anfang Juli markierte der Titel sein aktuelles Jahrestief bei 69,20 Euro. Technisch gilt das Papier als stark überverkauft. Der Kurs notiert weit unter langfristigen Trendlinien wie dem 200-Tage-Durchschnitt.
Volkswagen ringt an mehreren Fronten mit enormem Kostendruck. Der Stopp des Bosch-Projekts reiht sich nahtlos in den laufenden Konzernumbau ein. Parallel dazu starten in den kommenden Wochen heikle Debatten über mögliche Werksschließungen. Das finanzielle Zeugnis für Blumes neue Software-Strategie lässt auf sich warten. Erst der Serienstart des ID.Every1 im Jahr 2027 liefert harte Zahlen.
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