Die Volkswagen AG steht vor einer historischen Zäsur. Angesichts sinkender Margen und massiver China-Konkurrenz plant der Vorstand einen harten Umbau. Im Raum stehen bis zu 100.000 gestrichene Stellen und die Schließung von vier deutschen Werken. Ein beispielloser Einschnitt.
Aus für die Bosch-Allianz
Parallel dazu kappt Wolfsburg teure Altlasten. Am Mittwoch endete die Allianz mit Bosch für autonomes Fahren. Das Prestigeprojekt verschlang in den vergangenen Jahren rund 1,5 Milliarden Euro. Über 1.000 Entwickler arbeiteten an der Software. Die Technologie galt intern laut Medienberichten als nicht wettbewerbsfähig. Volkswagen-Chef Oliver Blume sucht nun neue Partner für seine ambitionierten Assistenzsysteme.
China-Technik für deutsche Werke
Um die heimischen Bänder auszulasten, prüft der Konzern einen Paradigmenwechsel. Volkswagen erwägt, in China entwickelte Modelle künftig in Europa zu bauen. Darunter fällt der gemeinsam mit SAIC entworfene SUV ID. Era 9X. Ein weiteres Modell könnte ab Ende 2027 folgen.
Der Grund für diesen Schritt ist rein wirtschaftlich. Die Fahrzeugentwicklung in Fernost kostet fast die Hälfte weniger als in Europa. Das schwächelnde Werk in Zwickau gilt als erster Kandidat für diese neue Strategie. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterstützt diesen Rettungsversuch für die Standorte.
Angst vor dem Ausverkauf
Die geplanten Einschnitte im Konzern fallen massiv aus. Weltweit wackeln rund 15 Prozent der Arbeitsplätze. In Deutschland stehen die Standorte Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk in Neckarsulm zur Disposition.
Allein hier wären Zehntausende Mitarbeiter direkt betroffen. Im gleichen Schritt will der Konzern seine Investitionen drastisch kappen. Das Budget für die nächsten fünf Jahre sinkt auf rund 130 Milliarden Euro.
Die Börse reagiert nervös. Die Volkswagen-Aktie rutschte am Mittwoch auf ein neues 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro ab. Aktuell erholt sich das Papier leicht auf 70,56 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Titel ein Drittel seines Wertes verloren. Ein RSI-Wert von knapp 20 signalisiert einen extrem überverkauften Zustand.
Wirtschaftsexperten schlagen indes Alarm. Moritz Schularick vom Kieler Institut für Weltwirtschaft hält auf lange Sicht sogar eine Übernahme durch BYD für möglich, falls die Restrukturierung scheitert. Die Chinesen suchen derweil bereits nach Standorten für eine eigene Europa-Fabrik in Spanien oder Frankreich.
Die Entscheidung über den Wolfsburger Kurs naht. Am 9. Juli 2026 tritt der Aufsichtsrat zu einer entscheidenden Sitzung zusammen. Dort berät das Gremium offiziell über das Sparpaket und die Werksschließungen. Fällt der Plan durch, droht dem Autobauer ein rapider Verlust der globalen Wettbewerbsfähigkeit.
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