Ein internes Memo von Konzernchef Oliver Blume sorgt in Wolfsburg für Aufruhr. Der VW-Chef bestätigt darin indirekt ein Szenario mit bis zu 100.000 wegfallenden Stellen weltweit. Die Gewerkschaft IG Metall warnt bereits vor einem offenen Konflikt.
Blume nennt „theoretischen Abzug“ von 50.000 Stellen
Am Montag informierte Blume die Belegschaft über die finanzielle Lage des Konzerns. Die Gemeinkosten liegen laut seinen Angaben rund 20 Prozent über denen der Wettbewerber. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Personal.
Daraus leitet Blume einen „theoretischen Abzug“ von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen ab. Diese Zahl kommt zu den bereits 2024 vereinbarten 50.000 Stellenstreichungen hinzu. Insgesamt könnte damit fast jeder sechste der rund 667.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Im Fokus stehen die deutschen Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Blume begründet den Schritt mit sinkenden Margen bei Elektroautos und dem Wettbewerbsdruck aus China. Der Konzern müsse jetzt handeln, um zukunftsfähig zu bleiben.
IG Metall droht mit Widerstand
Die Arbeitnehmervertreter reagierten scharf auf das Memo. IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte die Kommunikation ein „Disaster“ und warnte vor einem „Großkonflikt“. Bereits am Donnerstag zuvor protestierten Beschäftigte gleichzeitig an 18 Standorten.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo wirft dem Management vor, die Belegschaft unnötig zu verunsichern. Konkrete Perspektiven für die betroffenen Werke fehlten bislang. Die Verhandlungen im Aufsichtsrat, in dem Niedersachsen und die Arbeitnehmerseite starken Einfluss haben, dürften schwierig werden.
Aktie nahe am Jahrestief
An der Börse fällt die Reaktion verhalten aus. Die VW-Aktie notiert bei 71,44 Euro, ein Plus von 0,11 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 32,67 Prozent zu Buche.
Zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro fehlen fast 35 Prozent.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 83,59 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 93,59 Euro. Beide Marken bleiben deutlich über dem aktuellen Kurs.
Der RSI von 31,6 nähert sich zwar dem überverkauften Bereich. Fundamentale Kaufsignale liefert das aber nicht. Anleger warten auf belastbare Umsetzungspläne, die auch der Aufsichtsrat mitträgt.
Externe Belastungen bleiben
Drohende EU-Zölle auf in China produzierte Fahrzeuge verschärfen den Druck zusätzlich. Es gibt aber auch Fortschritte. Das Software-Joint-Venture mit Rivian holt sich mit „Flow Engineering“ einen neuen Technologiepartner für die Architektur-Entwicklung ins Boot.
Die operativen Kernprobleme der Marke Volkswagen bleiben davon unberührt. Blume muss in den kommenden Wochen einen Konsens mit Aufsichtsrat und Gewerkschaft finden. Ohne diesen Konsens droht einer der größten Umbauten in der Geschichte der Automobilindustrie zu scheitern.
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