Volkswagen Aktie: Bis zu 50.000 Stellen gefährdet

Symbolbild, KI-generiert

Volkswagen will vier deutsche Werke schrittweise aufgeben, doch Widerstand von Beschäftigten und Politik lässt den Ausgang der Pläne offen.

Auf einen Blick:
  • Vier Standorte sollen schrittweise entfallen
  • Bis zu 50.000 Stellen gefährdet
  • IG Metall kündigt bundesweiten Protest an
  • Volkswagen-Aktie verliert 1,3 Prozent

Volkswagen steuert auf einen historischen Einschnitt zu. Der Konzernvorstand hat laut einem Bericht der Wirtschaftswoche vom Dienstag einstimmig beschlossen, die Produktion in Emden und Zwickau bis 2031 zu beenden, in Hannover bis 2032 und in Neckarsulm bis 2034. Der Beschluss kann ohne Zustimmung des Aufsichtsrats umgesetzt werden – ein Novum, das den Konflikt mit Arbeitnehmervertretern und der Landespolitik weiter verschärft.

Vier Werke, Zehntausende Jobs

Von den Plänen sind einem Bericht zufolge mehr als 15.700 Beschäftigte in Zwickau und Emden betroffen, rund 14.000 in Hannover und 15.500 in Neckarsulm. Insgesamt stehen bis zu 50.000 Stellen zur Disposition, die Hälfte davon in Deutschland.

Nach Angaben aus dem Sanierungspaket sollen Nachfolgemodelle künftig andernorts gebaut werden: Der ID.4-Nachfolger soll nach Mladá Boleslav wandern, der Nachfolger des Q4 e-tron nach Bratislava, ein Transporter-Modell nach Polen und ein weiteres Fahrzeug nach Leipzig.

Als Begründung nennt der Finanzvorstand die Kostenunterschiede zu anderen europäischen Standorten – laut einem Bericht liegen die Kosten pro Fahrzeug in Deutschland bei 6.490 Euro, in Europa dagegen bei 2.832 Euro. Die Überkapazität im deutschen Werksnetz wird auf mehr als 500.000 Fahrzeuge beziffert.

IG Metall hat bereits Widerstand angekündigt. Konzernchef Blume bezeichnete die Lage als „mehr als kritisch“ und erklärte, die bisher vereinbarten Einsparungen von 20 Prozent reichten nicht aus.

Der Aufsichtsrat kommt am Freitag zusammen, um über einen überarbeiteten Sparplan mit dem Namen „Zielbild 2030“ zu beraten. Nach Einschätzung von Reuters bestehen vor der Sitzung nur geringe Chancen auf greifbaren Fortschritt, während die Landespolitik eine gemeinsame Lösung fordert.

Streit um Arbeitszeit und Tarifvertrag

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnte vor einem radikalen Kahlschlag und verwies darauf, dass Volkswagen wegen der starken Stellung von Gewerkschaften und dem Land Niedersachsen keine klassische Aktiengesellschaft sei. Er plädiert stattdessen für niedrigere Arbeitskosten über eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden, was die Kosten um mehr als 13 Prozent senken könnte.

Parallel dazu will das Management den Haustarifvertrag kippen, was der Betriebsrat scharf kritisiert: Eine Halbierung des Haustariflohns würde die Autokosten nach dessen Berechnung nur um etwa 5 Prozent drücken. IG Metall ruft für den 21. September zu einem bundesweiten Autoaktionstag auf, im Oktober folgt die Tarifrunde der Branche.

Aktie reagiert verhalten

Trotz der weitreichenden Ankündigungen fiel die Kursreaktion moderat aus. Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss am Dienstag bei 76,40 Euro, ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 5,8 Prozent zu Buche, was zeigt, dass Anleger die Werksnachrichten nicht als Überraschung werteten – Berichte über mögliche Schließungen kursierten bereits zuvor. Auf Jahressicht bleibt das Papier mit einem Minus von 27 Prozent deutlich unter Druck und liegt rund 30 Prozent unter dem im Dezember erreichten 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro.

Die endgültige Entscheidung über die Werksschließungen dürfte laut einem Bericht selbst nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag nicht in dieser Woche fallen – Beobachter rechnen erst in sechs bis zwölf Monaten mit konkreten Werkslösungen. Bis dahin bleibt die Frage offen, wie weit Vorstand, Betriebsrat und Landesregierung bei Arbeitszeit, Tariflöhnen und Standortgarantien aufeinander zugehen.

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