Vor der anstehenden Präsentation wichtiger Modellneuheiten verschärft sich bei Volkswagen der Führungsstreit über den Sanierungskurs. Betriebsratschefin Daniela Cavallo wies Aussagen von Konzernchef Oliver Blume zurück, wonach die Kündigung zentraler Tarifverträge im Einvernehmen mit der Arbeitnehmerseite erfolgt sei.
Der offene Konflikt um Arbeitszeiten und Einschnitte fällt in eine Phase, in der die Wolfsburger operative Weichenstellungen vorantreiben und an den Kapitalmärkten unter Druck stehen.
Am Freitag schloss das Papier bei 67,60 Euro. Seit Jahresanfang steht damit ein Verlust von 35 Prozent zu Buche. Mit diesem Niveau notiert der Kurs nur noch 0,6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 67,22 Euro.
Offener Konflikt um Arbeitszeit und Einschnitte
Hintergrund der Spannungen ist die am Mittwoch erfolgte Kündigung von zehn Tarifverträgen, darunter Regelungen zu Arbeitszeiten und Urlaub. Oliver Blume begründete die Schritte mit der Notwendigkeit von Gehaltskürzungen sowie einer Abkehr von der 35-Stunden-Woche. Zudem stellte er längere Wochenarbeitszeiten ohne Lohnausgleich in Aussicht. Nach seiner Darstellung im Podcast von The Pioneer habe auch die Arbeitnehmerseite diesen Schritt verlangt.
Dem widersprach Daniela Cavallo entschieden. Die Aussagen beschädigten das ohnehin ramponierte Vertrauen, erklärte die Betriebsratschefin. Nach Angaben der IG Metall war 2024 lediglich eine Klausel zur Überprüfung aktiviert worden, weil Klarheit über die Zukunft von vier bedrohten Werken fehlte.
Erst danach folgte die Kündigung der Verträge durch das Management. Im Konzern stehen Werksschließungen und umfangreiche Stellenstreichungen zur Diskussion.
Modelloffensive mit dem elektrischen Tiguan
Parallel zu den Auseinandersetzungen um die Kostenbasis bereitet die Kernmarke einen wichtigen Generationswechsel vor. Am 9. Oktober präsentiert der Konzern den voll elektrischen ID. Tiguan, dessen Markteinführung für Anfang 2027 geplant ist. Das Modell soll die bisherigen Baureihen ID.4 und ID.5 ablösen, wird jedoch parallel zur Verbrenner- und Hybridversion des Tiguan angeboten.
Der Schritt markiert eine Neuausrichtung in einem Kernsegment. Vom Tiguan wurden historisch über 8,3 Millionen Fahrzeuge gefertigt. Dagegen erreichten ID.4 und ID.5 seit 2021 zusammen ein Auslieferungsvolumen von gut 950.000 Einheiten. Technische Daten zu Antrieb, Batterie und Ladeleistung hat das Unternehmen vor der Vorstellung noch nicht offengelegt.
Neuordnung der Softwareentwicklung
Gleichzeitig sortiert Volkswagen die Softwareaktivitäten neu. Die Softwaretochter Cariad steht vor tiefgreifenden Einschnitten. Geplant ist unter anderem die Schließung der Tochtergesellschaft Vaiva mit rund 160 Beschäftigten.
In der Sparte für autonomes Fahren arbeiten derzeit rund 1.200 Mitarbeiter, die nun unter anderem die Systeme des kürzlich ausgewählten britischen Partners Wayve integrieren sollen.
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