Während Volkswagen seine Gewinnprognose zusammenstreicht, formiert sich der Widerstand in der Belegschaft. Bundesweit haben mehr als 100.000 Beschäftigte an über 200 Orten protestiert – mitten in einer Woche, die für den Konzern ohnehin schon schwierig war.
Gewinnwarnung trifft auf Protestwelle
Am Freitag hatte Volkswagen die Latte für 2026 deutlich niedriger gelegt. Statt einer operativen Umsatzrendite von 4,0 bis 5,5 Prozent rechnet der Konzern nun nur noch mit bis zu 1 Prozent. Der Markt hatte im Schnitt mit 4,1 Prozent kalkuliert – die Lücke zur Realität fiel entsprechend groß aus.
Ein Großteil der Belastung stammt aus einer außerplanmäßigen Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro auf den Firmenwert der Porsche AG, hinzu kommen rund 2 Milliarden Euro für Restrukturierungen, unter anderem in China. Insgesamt drücken Sondereffekte von etwa 10 Milliarden Euro auf das operative Ergebnis.
Bereinigt um diese Posten würde die Marge laut Unternehmensangaben bei rund 4 Prozent liegen – ein wichtiger Unterschied, der die Aktie am Freitag aber nicht vor einem Kursrutsch von 5,6 Prozent bewahrte, dem schwächsten Tageswert im DAX.
Just an diesem Montag ließ IG-Metall-Chefin Christiane Benner im VW-Stammwerk Wolfsburg keinen Zweifel an ihrer Haltung: „Überall brennt gerade die Hütte.“ Sie warf den Vorständen der Autoindustrie vor, die Branche „mit Vollgas gegen die Wand“ zu fahren und danach „Fahrerflucht“ zu begehen.
Medien waren zu der Aktion auf dem Werksgelände nicht zugelassen – eine Entscheidung, die der Konzernvorstand um VW-Chef Oliver Blume nach Angaben von Betriebsrat und Gewerkschaft in der vergangenen Woche getroffen hatte.
In Chemnitz richtete sich der IG-Metall-Bezirkschef Jan Otto mit ähnlich scharfen Worten an das Management: Jahrelang seien Trends bei E-Mobilität und Batterietechnik verschlafen worden, jetzt solle die Belegschaft dafür zahlen. Besondere Brisanz hat die Lage in Zwickau, wo rund 8.000 Beschäftigte um die Zukunft ihres Werks bangen.
Analysten uneins, Kursziele weit gestreut
Bei Porsche sorgte parallel ein Bericht über mögliche weitere 4.100 Stellenstreichungen für Unruhe – zusätzlich zu den bereits vereinbarten 9.000 Jobs. Porsche-Chef Michael Leiters widersprach den Zahlen in einem internen Memo und stellte klar, dass keine zusätzlichen Kürzungen geplant seien.
Am Kapitalmarkt bleibt das Bild gespalten. RBC und Jefferies sehen weiterhin ein Kursziel von 120 Euro, die Deutsche Bank 115 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau. UBS und Morgan Stanley sind mit 80 beziehungsweise 89 Euro erheblich vorsichtiger.
Diese Streuung spiegelt die grundsätzliche Unsicherheit: Ein Teil der Analysten sieht in der Abschreibung einen einmaligen Bereinigungseffekt, andere fürchten, dass die strukturellen Probleme in China und bei den Kernmarken tiefer sitzen.
Charttechnisch hat sich die Lage verschärft. Die Vorzugsaktie unterschritt zuletzt sowohl die Unterstützung um 87 Euro als auch das Tief aus dem Jahr 2024 bei rund 80 Euro und brach damit eine seit 2004 bestehende Aufwärtstrendlinie.
Zwei Termine dürften in den kommenden Wochen zeigen, wie ernst es der Konzern mit der Kehrtwende meint: der Volkswagen-Termin am 5. Oktober und der Porsche-Kapitalmarkttag zwei Tage später. Bis dahin bleibt die soziale Frage im Konzern genauso ungelöst wie die Frage nach der operativen Wende.
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