Wo bislang Golf und Co. vom Band liefen, sollen künftig Komponenten für Luftverteidigungssysteme entstehen. Volkswagen hat sich mit dem Land Niedersachsen und der Investmentgesellschaft Aurelius Capital auf Eckpunkte für den Verkauf des Werks Osnabrück verständigt. Es ist der erste konkrete Baustein aus dem historischen Sanierungspaket, das erst vor wenigen Tagen den Aufsichtsrat passiert hat.
Aurelius, mit Sitz in Tel Aviv, soll als Mehrheitseigentümer einsteigen, Niedersachsen bleibt mit an Bord. Gemeinsam wollen beide den Standort zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen ausbauen.
Als erstes Ankerprojekt ist eine Kooperation mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems geplant, bekannt für die Iron-Dome- und Arrow-Systeme. Konkret geht es um die mögliche Fertigung von Komponenten für Luftverteidigungssysteme für Deutschland und Europa.
Ein Modell für weitere Werke?
Die Fahrzeugproduktion in Osnabrück soll im Sommer 2027 auslaufen — diese Entscheidung hatte Volkswagen bereits 2024 getroffen. Von den rund 1.800 Arbeitsplätzen am Standort könnten laut Betriebsrat etwa 1.400 erhalten bleiben. Für ein Unternehmen, das gerade den Abbau von insgesamt 100.000 Stellen verkündet hat, ist das eine der wenigen positiven Nachrichten der vergangenen Woche.
Die Bedeutung des Deals reicht über Osnabrück hinaus. Volkswagen hatte im Zuge seines Sanierungsplans vier weitere deutsche Werke — Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm — als ungeklärt bezeichnet.
Steigende Verteidigungsausgaben in Europa könnten sich als Ventil für überschüssige Fertigungskapazitäten in der Autoindustrie erweisen; auch Rheinmetall und Continental verfolgen ähnliche Initiativen.
Ob Osnabrück tatsächlich zum Blaupausen-Fall für die übrigen Standorte wird, ist offen — der Transaktionsvollzug steht noch unter dem Vorbehalt abschließender Vereinbarungen, Gremienbeschlüsse und behördlicher Prüfungen.
Parallel zur Werksfrage sorgt die Tochter Audi für Bewegung. Der Autobauer stellte mit dem A2 e-tron ein neues Kompaktmodell vor, das in Ingolstadt gefertigt wird und ab Dezember ausgeliefert werden soll.
Der Vorstoß soll helfen, verlorenen Boden gegenüber günstigeren chinesischen Anbietern gutzumachen — die Audi-Verkäufe sind im ersten Halbjahr 2026 um 7 Prozent gesunken. Just das Werk Neckarsulm, eines der vier noch ungeklärten VW-Standorte, steht dabei laut Audi-Chef Gernot Doellner erneut auf dem Prüfstand: Nach 2034 sei dort kein neues Modell mehr eingeplant.
Die Aktie notierte am Montag bei rund 81,50 Euro auf Xetra, leicht schwächer als zuvor. Nach dem Kurssprung infolge der Aufsichtsratseinigung dürfte der Osnabrück-Deal als erster Belastbarkeitstest gelten: Zeigt sich, dass Verteidigungsindustrie tatsächlich als Auffangbecken für überschüssige Autokapazitäten taugt, wächst der Spielraum für ähnliche Lösungen an den übrigen vier Standorten.
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