Oliver Blume wollte die größte Umstrukturierung in der Geschichte von Volkswagen durchsetzen. Der Aufsichtsrat hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Machtkampf zwischen Vorstand und Kontrollgremium eskaliert – und die Aktie leidet.
Die Vorzugsaktie notiert am Mittwoch bei 71,22 Euro, ein Minus von 0,78 Prozent. Der Titel liegt nur noch 2,92 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes verloren, ein Rückgang von 32,87 Prozent.
Aufsichtsrat lehnt Sparpaket ab
Blume nennt sein Programm den „Zukunftsplan“. Er will die Modellpalette um die Hälfte kürzen und die Ausstattungsvarianten um drei Viertel reduzieren. Das Ziel: weniger Komplexität, mehr Fokus auf Technologie und Regionen.
Der Plan sieht auch drastische Personalkürzungen vor. Sollten sich die Arbeitskosten nicht ändern, drohen laut Blume weltweit rund 50.000 Stellen. Der Grund: Verwaltung und Infrastruktur kosten bei Volkswagen 20 Prozent mehr als bei vergleichbaren Unternehmen.
Am vergangenen Donnerstag stimmten 12 von 19 Aufsichtsratsmitgliedern gegen das Paket. Zur Debatte standen zusätzlich bis zu 70.000 weitere Stellen bis 2030, dazu mögliche Werksschließungen in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau. Das Gremium berät das Paket nun im September erneut.
Insider sprechen von einer angespannten Lage. Blume bereitet Berichten zufolge bereits die „maximale Eskalationsstufe“ vor. Als letztes Mittel steht sogar eine außerordentliche Hauptversammlung im Raum, sollte der Aufsichtsrat weiter blockieren.
Absatz bricht besonders in China ein
Die Zahlen liefern den Hintergrund für den Sparkurs. Im zweiten Quartal 2026 sank der globale VW-Absatz um rund 9 Prozent. In China, dem wichtigsten Einzelmarkt, brachen die Verkäufe um über ein Drittel ein.
Ein Lichtblick kommt aus den USA. Volkswagen of America meldete für das zweite Quartal ein Plus von 24,9 Prozent, getragen von Tiguan und ID. Buzz. Das globale Bild bleibt trotzdem schwach.
Kurs nahe am Jahrestief
Die technischen Daten spiegeln den Druck wider. Die Aktie notiert 23,83 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 93,50 Euro. Der RSI liegt bei 31,9 – ein Wert, der auf eine überverkaufte Situation hindeutet.
Parallel zum Machtkampf um den Sparplan verhandelt Volkswagen mit Arbeitnehmervertretern und dem Land Niedersachsen. Dabei geht es auch um eine mögliche Umstellung des Werks Osnabrück auf Rüstungsproduktion. Im September entscheidet der Aufsichtsrat erneut über Blumes Zukunftsplan – dann zeigt sich, ob der Vorstandschef seine Reform doch noch durchsetzt.
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