Ein Wahlkampfauftritt, vier Milliarden Dollar und viele offene Fragen: Audi will erstmals in den USA produzieren. Verkündet hat das Projekt allerdings nicht der Konzern selbst, sondern US-Präsident Donald Trump, mitten in einer Rede in Perry, Georgia.
Neues Werk in Georgia
Die VW-Tochter plant eine Fabrik mit einer Jahreskapazität von 200.000 SUV. Rund 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen, das Investitionsvolumen liegt bei etwa vier Milliarden Dollar. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre starten. Gebaut werden sollen Premium-SUVs, zugeschnitten auf nordamerikanische Kunden.
Audi-Chef Gernot Döllner trat auf Trumps Einladung auf die Bühne und dankte ihm für die Unterstützung. Eine lokale Fertigung, so das Unternehmen, senke Zoll-, Währungs- und Lieferkettenrisiken. Trump verlangt seit Januar 2025 von ausländischen Firmen mit Zolldrohungen mehr Produktion in den USA.
Endgültig beschlossen ist nichts. Der Bau muss noch vom Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns gebilligt werden. Konzernchef Oliver Blume sprach von einem „möglichen Werk“, das lokalisierte Produkte aus den USA für die USA erlaube.
Kritik aus Politik und Belegschaft
Der Termin sorgt für Streit. Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori nannte den Auftritt Wahlkampfhilfe für einen Autokraten. Brisant: Audis eigene Leitlinien sehen in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Politikern vor. Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt.
Hinzu kommt der Zeitpunkt. VW kämpft mit einer Absatzkrise, in Deutschland laufen Debatten über Stellenabbau und mögliche Werksschließungen. Eine Audi-Sprecherin betonte, die Investition sei keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern solle langfristig auch die Auslastung der heimischen Werke stützen.
IG Metall-Chefin Christiane Benner nannte das Werk grundsätzlich richtig und notwendig. Sie forderte aber verbindliche Perspektiven für alle Standorte, der Vorstand stehe in der Bringschuld. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der im Aufsichtsrat sitzt, formulierte es so: Wachstum in Amerika dürfe Arbeit in Deutschland nicht verdrängen. Der Konzernbetriebsrat sieht intern „etliche offene Fragen“.
Bewertung und Ausblick
Die Vorzugsaktie schloss zuletzt bei 58,14 Euro. Die Kursziele der Analysten reichen von 70 bis 120 Euro, das Bild ist also klar optimistisch. Die Dividende lag zuletzt bei 5,26 Euro je Aktie.
Zunächst muss der Aufsichtsrat entscheiden. Dort sitzen Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen, die ihre Zustimmung an Zusagen für deutsche Standorte knüpfen dürften. Zudem stehen Quartalszahlen an, für die Marktbeobachter Rückgänge bei Umsatz und Profitabilität erwarten.
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