Volkswagen-Chef Oliver Blume hat am heutigen Mittwoch bei Besuchen der Werke in Emden und Zwickau weitreichende Sparmaßnahmen angekündigt. Angesichts einer operativen Rendite von lediglich 3,8 Prozent im ersten Halbjahr 2026 bezeichnete der Konzernchef die Lage als mehr als kritisch. Kern der neuen Pläne ist eine Verkleinerung des Managements um ein Viertel, um die hohen Fixkosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion deutlich zu senken.
Management-Abbau und hohe Kostennachteile
Wie unter anderem die FAZ berichtet, soll jede vierte Management-Stelle im Konzern wegfallen. Das Sparprogramm betrifft laut Blume insbesondere Konzernstellen, zentrale Funktionen sowie die Bereiche Entwicklung und Vertrieb.
Während der Vorstand die Zahl von 50.000 potenziell gefährdeten Arbeitsplätzen als eine rein theoretische Rechengröße bezeichnete, verdeutlichten die heute genannten Kostendaten den massiven Handlungsbedarf. In Deutschland liegen die Arbeitskosten bei 65 Euro pro Stunde, während sie im benachbarten Tschechien lediglich 24 Euro betragen.
Die Hälfte der betroffenen Stellen entfällt auf deutsche Standorte, der Rest verteilt sich weltweit auf rund 170 Gesellschaften. Bereits vor rund einem Monat hatte die Tochtermarke Audi ihre Prognose gesenkt, was den Druck auf den Gesamtkonzern weiter erhöhte. Das operative Ergebnis von Volkswagen sank im ersten Halbjahr 2026 um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 158,1 Milliarden Euro.
Ungewisse Zukunft für deutsche Produktionsstandorte
Neben dem Management-Abbau stehen auch traditionsreiche Fabriken unter Druck. Für die Standorte in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm gebe es derzeit keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre. In Emden, wo Volkswagen Milliarden in die Fertigung von Elektroautos wie den ID.7 investiert hat, seien die Arbeitskosten mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten.
Blume betonte vor der Belegschaft, dass endgültige Entscheidungen über mögliche Werksschließungen noch nicht getroffen seien. Konkrete Perspektiven für die betroffenen Werke sollen in den kommenden sechs bis zwölf Monaten erarbeitet werden.
In Zwickau hat sich die Zahl der Beschäftigten bereits von 11.000 auf 8.000 reduziert; Berichten zufolge soll dort im Jahr 2027 eine weitere Fertigungslinie stillgelegt werden. Parallel dazu wird im Werk Kassel über eine mögliche Ausgliederung der Komponentensparte diskutiert.
Widerstand der Belegschaft und Marktreaktion
Die Arbeitnehmerseite reagierte mit scharfer Kritik auf die Ankündigungen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärte laut Medienberichten, das Vertrauen in den Vorstand sei durch die aktuellen Pläne beschädigt.
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer brachte zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Gespräch, die später durch Gewinnbeteiligungen ergänzt werden könnte. Derzeit gilt im VW-Haustarif eine 35-Stunden-Woche.
An der Börse sorgten die Nachrichten für Verunsicherung. Die Aktie notiert am heutigen Handelstag bei 72,24 Euro, was einem Rückgang von 1,5 Prozent entspricht. Damit setzt sich die schwache Jahrestendenz fort: Seit Beginn des Jahres hat der Titel bereits 31 Prozent an Wert verloren.
Trotz der jüngsten Hiobsbotschaften verbleibt der Kurs mit einem Abstand von 4,4 Prozent noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief. Die Anteilscheine der Holding Porsche SE hatten bereits vor rund zwei Wochen nach einer Wertberichtigung in der Halbjahresbilanz nachgegeben und belasten das Sentiment im Volkswagen-Umfeld zusätzlich.
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