Volkswagen treibt gleich mehrere strukturelle Weichenstellungen voran. Der Konzern bereitet Medienberichten zufolge eine Reduzierung seiner Mehrheitsbeteiligung am Lkw-Hersteller Traton SE von derzeit 87,5 Prozent auf 75 Prozent plus eine Aktie vor. Das zur Veräußerung stehende Paket wird auf Basis aktueller Kurse mit rund 16,6 Milliarden Euro bewertet. Für einen Konzern, der seit Monaten unter finanziellem Druck steht, wäre ein solcher Zufluss ein spürbarer Bilanzeffekt.
Parallel dazu vollzieht Volkswagen einen personellen Umbau im Nordamerika-Geschäft. Der bisherige Audi-Vertriebschef Marco Schubert übernimmt die Leitung des US-Geschäfts und soll den Fokus stärker auf Pickups und große SUVs legen – jene Fahrzeugsegmente, in denen der Konzern in den USA bislang kaum präsent ist.
Bereits am 11. August war bekannt geworden, dass Volkswagen vor Ende des Jahrzehnts einen ersten in den USA produzierten Pickup einführen will, wobei eine technologische Partnerschaft mit Ford geprüft wird.
Sparprogramm schreitet voran
Der Konzern bestätigte zudem, dass bereits 37.000 Verträge für den bis 2030 geplanten Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland unterzeichnet sind. Bis Ende des laufenden Jahres sollen rund 27.000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen haben. Die Sparanstrengungen laufen damit auf Kurs, während gleichzeitig neue strategische Baustellen entstehen.
Ein weiterer Rückzug betrifft die CO2-Flottenpolitik: Die Tochter Porsche AG verlässt den gemeinsamen Emissionspool des Volkswagen-Konzerns und bildet für 2026 und 2027 eine neue CO2-Gemeinschaft mit dem chinesischen Hersteller XPeng. Das unterstreicht, wie unterschiedlich sich die Konzernmarken inzwischen strategisch positionieren.
Porsche SE spürt Wertberichtigungen
Die Holdinggesellschaft Porsche SE, größter Anteilseigner von Volkswagen, meldete für das erste Halbjahr einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro. Maßgeblich verantwortlich dafür sind Wertberichtigungen auf die Kernbeteiligungen an Volkswagen und der Porsche AG – ein Beleg dafür, wie stark der Kursrückgang der vergangenen Monate auch auf Anteilseignerebene durchschlägt.
Zusätzliche Rechtsrisiken bleiben präsent: Zwei ehemalige Volkswagen-Ingenieure plädierten Anfang August vor einem US-Bundesgericht in Manhattan auf „nicht schuldig“ im Zusammenhang mit Vorwürfen des Insiderhandels mit Rivian-Aktien im Vorfeld der 2024 bekanntgegebenen Kooperation zwischen beiden Unternehmen.
Aktie unter Druck
Die Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 73,88 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 3,3 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 29 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro, erreicht im Dezember, beträgt der Abstand 32 Prozent – ein Ausmaß, das die vielschichtigen operativen und strukturellen Herausforderungen des Konzerns widerspiegelt.
Die anstehende Traton-Transaktion und der Umbau des US-Geschäfts könnten mittelfristig Kapital freisetzen und neue Wachstumsimpulse liefern. Ob sie ausreichen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Schwäche bei Audi und im chinesischen Markt stabilisiert.
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