Der Volkswagen-Konzern beziffert die finanziellen Belastungen für den geplanten historischen Konzernumbau intern offenbar auf rund 16 Milliarden Euro.
Wie Medienberichten unter Berufung auf Insider am heutigen Donnerstag entnommen werden kann, entfällt der Großteil dieser Summe auf den Abbau zehntausender Arbeitsplätze und die mögliche Schließung von vier deutschen Produktionsstandorten. Das Ziel der massiven Einschnitte ist eine deutliche Steigerung der Profitabilität bis zum Ende des Jahrzehnts.
Milliardenaufwand für Stellenabbau und Werksschließungen
Von der kalkulierten Gesamtsumme entfallen laut Insiderberichten etwa zehn Milliarden Euro auf den weltweiten Stellenabbau. Betroffen sind demnach bis zu 60.000 Arbeitsplätze, wobei ein signifikanter Teil der Streichungen auf den deutschen Markt entfallen dürfte. Die Umsetzung soll über Instrumente wie Altersteilzeit, Abfindungen und Sozialpläne erfolgen. Eine vollständige sozialverträgliche Ausgestaltung gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Weitere sechs Milliarden Euro werden für das potenzielle Auslaufen der Produktion an vier Standorten veranschlagt. Konkret stehen die Werke in Emden und Zwickau mit geschätzten Kosten von jeweils einer Milliarde Euro sowie Hannover und der Audi-Standort Neckarsulm mit jeweils rund zwei Milliarden Euro im Fokus.
Die Produktion in diesen Werken könnte zwischen 2031 und 2034 enden, sofern keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gefunden wird. Ein Sprecher des Automobilbauers lehnte eine Stellungnahme zu diesen internen Kalkulationen bisher ab.
Renditeziel von neun Prozent bis 2030
Hinter der Radikalkur steht der Plan des Vorstands unter Oliver Blume, die operative Umsatzrendite bis zum Jahr 2030 auf 9,0 Prozent zu heben. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres lag dieser Wert noch bei 3,80 Prozent. Volkswagen kämpft derzeit mit Gemeinkosten, die im Vergleich zum Wettbewerb als deutlich zu hoch eingestuft werden. Zudem soll die Produktionskapazität in Europa um 500.000 Fahrzeuge gesenkt werden.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete den bevorstehenden Umbau in einer Regierungserklärung am heutigen Donnerstag als langen und schmerzhaften Weg. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Anteile an Volkswagen. Den internen Berechnungen zufolge sollen sich die nun veranschlagten Milliardenkosten für die Restrukturierung durch die eingesparten Gehälter bis Anfang 2037 amortisiert haben.
Analysten sehen konstruktives Umfeld
Trotz der massiven Herausforderungen äußern sich erste Marktbeobachter vorsichtig optimistisch zum langfristigen Potenzial. Der Analyst Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies belässt die Einstufung für die Volkswagen-Vorzugsaktie in einer aktuellen Studie auf „Buy“ mit einem Kursziel von 120 Euro.
Die Stimmung unter den Investoren auf einer Branchenkonferenz wurde als konstruktiv beschrieben, auch wenn die Unsicherheiten bezüglich der konkreten Umsetzung des Sanierungsplans bestehen bleiben.
An der Börse zeigt sich die Aktie von den detaillierten Kostenschätzungen am heutigen Donnerstag wenig bewegt und notiert bei 81,48 Euro nahezu auf dem Niveau des gestrigen Schlusskurses. Seit Jahresbeginn hat das Papier jedoch massiv an Wert verloren und weist ein Minus von 22 Prozent auf.
Der Titel handelt derzeit etwa 8,8 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 89,39 Euro, was den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Monate verdeutlicht. Eine endgültige Entscheidung über die Werksschließungen steht noch aus und wird voraussichtlich im Rahmen der künftigen Belegungsplanungen bis Mitte 2027 konkretisiert.
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