Volkswagen Aktie: 1,5 Milliarden für Cariad-Bosch

Volkswagen beendet Cariad-Allianz mit Bosch und plant China-Importe. Der Konzern verschärft seinen Sparkurs und prüft Beteiligungsverkäufe.

Auf einen Blick:
  • Cariad-Bosch-Allianz aufgelöst
  • China-Importe als neue Strategie
  • Gewinnrückgang um 14 Prozent
  • Verkauf von Beteiligungen geprüft

Die Volkswagen-Aktie erholt sich heute auf 72,28 Euro. Gestern rutschte der Kurs noch auf ein 52-Wochen-Tief bei 69,20 Euro ab. Die Gegenbewegung täuscht. Der Konzern steht vor massiven strategischen Problemen.

Milliardenprojekt und China-Importe

Heute vermeldete der Autobauer einen zentralen Rückschlag. Die VW-Softwaretochter Cariad und Bosch haben ihre „Automated Driving Alliance“ offiziell beendet. Volkswagen steckte rund 1,5 Milliarden Euro in dieses Projekt. Das Ziel: eine eigene Lösung für autonomes Fahren. Die Folge: Das Vorhaben ist gescheitert.

Die europäischen Entwicklungskosten gelten mittlerweile als zu hoch. Daher plant das Management einen Kurswechsel. Volkswagen prüft den Import von in China entwickelten Fahrzeugen. Im Gespräch ist die Produktion des neuen Modells ID. Era 9X im Werk Zwickau. Die asiatischen Entwicklungskosten sollen deutlich geringer ausfallen.

Prestigewerte auf dem Prüfstand

Das operative Geschäft schwächelt spürbar. Im ersten Quartal sank der Gewinn um 14 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Die Marge fiel auf magere 3,3 Prozent. Um Geld in die Kassen zu spülen, stehen prestigeträchtige Beteiligungen zur Disposition.

Die Konzerntöchter prüfen den Verkauf von Fußball-Anteilen. Das betrifft die Audi-Beteiligung am FC Bayern München sowie den Porsche-Anteil am VfB Stuttgart. Das Management diskutiert sogar den Verkauf der Luxusmarke Lamborghini und des Motorradbauers Ducati. Das gesamte Investitionsbudget des Konzerns schrumpft auf 130 Milliarden Euro.

Harter Sanierungskurs

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Bis zu 100.000 Arbeitsplätze und vier deutsche Werke stehen im Risiko. Trotzdem belässt das Analysehaus Jefferies die Einstufung auf „Buy“. Das Kursziel sinkt leicht auf 120 Euro. Analyst Philippe Houchois lobt den konsequenten Sanierungskurs des Managements.

Technisch bleibt die Lage angespannt. Seit Januar büßte der Titel fast 32 Prozent ein. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt deutliche minus 23 Prozent. Der Relative-Stärke-Indikator signalisiert eine massive Überverkauf-Situation.

Parallel belasten externe Faktoren das Geschäft. US-Zölle kosten den Konzern jährlich geschätzte vier Milliarden Euro. Stark gestiegene Spritpreise dämpfen die Nachfrage nach Verbrennern weiter.

Der Fokus richtet sich nun auf den 9. Juli 2026. An diesem Donnerstag trifft sich der Aufsichtsrat zu einer richtungsweisenden Sitzung. Marktteilnehmer und der Betriebsrat fordern konkrete Antworten. Das Gremium muss Klarheit über geplante Werksschließungen und den Stellenabbau schaffen.

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