1,5 Milliarden Euro investiert — und jetzt offenbar doch die Reißleine. Volkswagen plant laut Medienberichten das Ende seiner Entwicklungspartnerschaft mit Bosch für automatisiertes Fahren. Offiziell bestätigt ist das nicht. Aber der Druck auf die Aktie ist real.
Vier Jahre, 1,5 Milliarden Euro, kein Ergebnis
Die „Automated Driving Alliance“ startete 2022. Bosch und Volkswagens Softwaretochter Cariad wollten gemeinsam Software für Fahrerassistenz und autonomes Fahren entwickeln — konzernübergreifend, skalierbar, wettbewerbsfähig.
Laut „Bild“-Zeitung, auf die Reuters und Tagesschau verweisen, plant Volkswagen nun das Ende dieser Kooperation. Interne Fachbereiche hielten die Technik aktuell nicht für wettbewerbsfähig. Trotz 1,5 Milliarden Euro Investition.
Bosch und Cariad kommentierten die Berichte nicht. In einer gemeinsamen Stellungnahme hieß es lediglich, Entwicklungspartnerschaften würden regelmäßig strategisch und technologisch geprüft. Das klingt nach vorsichtig formuliertem Abgesang.
Besonders brisant: Noch im August 2025 beschrieb Volkswagen die Allianz als wichtigen Entwicklungspfad. Der Software-Stack für Level-2- und Level-3-Funktionen sollte ab Mitte 2026 serienreif sein.
Neuer Partner bis September?
Reuters berichtete, Volkswagen suche bereits einen Ersatzpartner. Hard- und Software sollen künftig zugekauft statt selbst entwickelt werden. Ein Vertrag sei bis September geplant.
Auch diese Angaben stammen aus Medienberichten und sind nicht offiziell bestätigt. Für den Kapitalmarkt ändert das wenig: Die Frage, ob Volkswagen zentrale Fahrzeugsoftware selbst entwickeln oder einkaufen will, bleibt ungeklärt. Ein Kurswechsel hin zu Zukäufen könnte die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen — wenn der neue Partner schnell liefert.
Aktie nahe am Jahrestief
Die Meldung trifft eine bereits angeschlagene Aktie. Mit 71,20 Euro notiert Volkswagen nur 1,51 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 70,14 Euro. Seit Jahresanfang beträgt das Minus fast 33 Prozent.
Jefferies senkte das Kursziel am 29. Juni von 130 auf 120 Euro, hält aber an „Buy“ fest. Analyst Philippe Houchois verwies auf den laufenden Umbau und stärkere Abhängigkeit vom europäischen Markt. UBS bleibt bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 90 Euro — Analyst Patrick Hummel sieht Volkswagen in einer Umstrukturierungsphase, bei der Niedersachsen und Arbeitnehmervertreter Werksschließungen blockieren.
Bis Volkswagen den Schritt offiziell bestätigt oder dementiert, bleibt die Software-Story das größte Fragezeichen hinter der Bewertung.
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