Der Volkswagen-Konzern hat mit der Verabschiedung seines „Future Plan 2030“ die Weichen für eine tiefgreifende Restrukturierung gestellt. An der Börse reagierten die Anleger mit Zuversicht auf die Details des Vorhabens, die einen deutlichen Fokus auf Kosteneffizienz und eine Reduzierung der Modellkomplexität legen. Am heutigen Dienstag kletterte die Aktie um 2,2 % auf 83,02 Euro und setzte damit den positiven Trend der vergangenen Tage fort.
Radikaler Stellenabbau und Fokus auf Komplexitätsreduktion
Der Aufsichtsrat hat einen Transformationsplan genehmigt, der laut Medienberichten als der größte Umbau in der 89-jährigen Geschichte des Unternehmens gilt. Kernelement ist eine massive Reduzierung der Belegschaft. Zusätzlich zu den bereits laufenden Streichungen von 50.000 Stellen sollen weltweit weitere rund 50.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dieser Schritt soll den Konzern agiler machen und die Kostenbasis signifikant senken.
Parallel zum Personalabbau plant das Management eine drastische Vereinfachung der internen Abläufe. Die Komplexität im Konzern soll um rund 75 % reduziert werden. Dies geht einher mit einer Bereinigung der Produktpalette: Bis zum Jahr 2035 soll das Modellportfolio halbiert werden.
Trotz des harten Sparkurses sieht der Plan massive Investitionen vor. In den Jahren 2027 bis 2031 sollen insgesamt 135 Milliarden Euro in Sachinvestitionen sowie in Forschung und Entwicklung fließen, um den technologischen Wandel voranzutreiben.
Analysten loben den Restrukturierungskurs
Die Reaktionen aus dem Analystenlager auf die Telefonkonferenz zum neuen Zukunftsplan fielen überwiegend positiv aus. Gestern bestätigte die Investmentbank Jefferies ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel für die Volkswagen-Aktie auf 120 Euro an. Auch die Analysten von RBC zeigten sich überzeugt von der strategischen Ausrichtung und setzten ihr Kursziel nach der Konferenz ebenfalls auf 120 Euro bei einer Einstufung als „Outperform“.
Diese Expertenstimmen stützten die jüngste Rally des Papiers, das nach dem Beschluss des Aufsichtsrats am vergangenen Donnerstag ein 11-Wochen-Hoch erreichte. Mit dem aktuellen Kursniveau notiert der Wert nun rund 11 % über seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 50 Tage.
Bereits am vergangenen Freitag hatte der Markt positiv darauf reagiert, dass durch den Restrukturierungsdeal ein drohender Konflikt mit den Stakeholdern abgewendet werden konnte.
Ungewissheit für deutsche Standorte und Fokus auf Nordamerika
Trotz der Euphorie am Aktienmarkt bringt der Plan erhebliche Unsicherheiten für die heimische Produktion mit sich. Für vier deutsche Standorte bleibt die Zukunft vorerst ungeklärt.
Medienberichten zufolge werden die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm im Zuge der Restrukturierung auf eine alternative Nutzung hin geprüft. Zuvor gab es Berichte über interne Überlegungen, die Produktion an diesen Standorten zwischen 2031 und 2034 einzustellen.
Während die Strukturen in Europa gestrafft werden, richtet Volkswagen den Blick verstärkt über den Atlantik. Der Konzern prüft derzeit die Einführung neuer SUV- und Pick-up-Modelle speziell für den nordamerikanischen Markt. Diese regionale Strategie soll dazu dienen, den wachsenden Handelsspannungen entgegenzuwirken und flexibler auf die spezifische Nachfrage in den USA und Kanada reagieren zu können. Die Deutsche Bank bestätigte in diesem Zusammenhang am Freitag ihre Einstufung mit „Buy“ und einem Kursziel von 115 Euro.
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