Es gibt wohl kaum einen unglücklicheren Weg, von den eigenen Restrukturierungsplänen zu erfahren, als über das firmeneigene Intranet. Genau das ist bei Volkswagen passiert. IG Metall und Betriebsrat, allen voran Chefbetriebsrätin Daniela Cavallo, wurden laut einem internen Memo nicht in die Strategie eingebunden, die Berichten zufolge bis zu 100.000 Stellen in Deutschland kosten soll. Nur ein Kommunikationsproblem? Eher schon ein Offenbarungseid.
Doppelt so viele wie bisher
Der Manager Magazin hatte berichtet, dass VW-Führungskräfte erwägen, frühere Schätzungen für Stellenabbau zu verdoppeln und vier deutsche Werke zu schließen. Vier. Wer die Diskussionen der vergangenen Jahre verfolgt hat, weiß: Schon über eine einzige Werksschließung ist VW beinahe auseinandergebrochen. Jetzt stehen vier im Raum.
CEO Oliver Blume hatte die Belegschaft bereits gewarnt, dass der Konzern in entscheidenden Bereichen hinter den Wettbewerbern zurückliegt. Die Diagnose ist richtig. Die Frage ist, ob er die Mittel hat, die Therapie auch durchzusetzen.
Die Gewerkschaft sitzt am längeren Hebel
Für derart weitreichende Einschnitte braucht Blume den Aufsichtsrat. Und dort sitzen die Gewerkschaftsvertreter in der Mehrheit, gestärkt noch durch den Abgang des unabhängigen Mitglieds Susanne Wiegand. Dazu kommt Niedersachsen, das als Anteilseigner ein Vetorecht bei zentralen Unternehmensentscheidungen hat und traditionell auf der Seite der Arbeitnehmer steht.
Volkswagen AG Aktie Chart
9. Juli, dann wird es ernst
Am 9. Juli trifft sich der Aufsichtsrat, um die drängenden Fragen zu besprechen. Was dabei herauskommt, ist offen. Dass Blume seinen Plan so durchsetzt, wie er ihn offenbar skizziert hat, ohne Abstriche, ohne Kompromisse, ohne monatelange Verhandlungen, glaubt wohl niemand ernsthaft.
Die Volkswagen-Aktie hat seit Jahresbeginn knapp ein Drittel ihres Wertes verloren. Der Markt preist ein, dass dieser Konzern sein Problem nicht schnell löst. Und das Intranet-Memo zeigt: Intern weiß man das auch.
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