Gemeinsam mit dem Energieversorger Verbund hat Voestalpine den Ausbau der Wasserstoff-Pilotanlage H2Future am Standort Linz abgeschlossen und in Betrieb genommen. In den vergangenen drei Jahren flossen rund 16,4 Millionen Euro in die Erweiterung des Projekts. Davon entfielen 4,5 Millionen Euro auf Fördergelder, während sich die beiden Unternehmen die verbleibenden Projektkosten teilen.
Neue Speicher- und Reinigungsstufen für H2Future
Die seit 2019 betriebene PEM-Elektrolyseanlage verfügt über eine Anschlussleistung von sechs Megawatt und kann stündlich rund 1.200 Kubikmeter grünen Wasserstoff erzeugen. Im Zuge der Erweiterung wurde der Komplex um Reinigungs- und Verdichtungsanlagen sowie fünf Wasserstoffspeicher ergänzt.
Vier dieser Tanks dienen dazu, produktionstechnische Schwankungen bei der Erzeugung und dem Verbrauch auszugleichen. Der fünfte Speicher soll ab Ende 2027 die Anlage HY4Smelt über eine rund einen Kilometer lange Leitung versorgen.
Zusätzlich ermöglicht die modernisierte Infrastruktur die Verdichtung des Wasserstoffs auf bis zu 500 bar, wodurch auch ein Weitertransport über Trailer möglich wird. Gegenwärtig laufen erste Funktionstests, fundierte Forschungsergebnisse streben die Partner bis zum Ende des laufenden Jahres an. Die Gesamtlaufzeit des Forschungsprojekts erstreckt sich bis Dezember 2030.
Kostenhürden auf dem Weg zur Dekarbonisierung
Für Voestalpine dient die Linzer Anlage vor allem dazu, industrielle Betriebserfahrungen für die schrittweise Umstellung der Stahlherstellung zu sammeln. Gegenwärtig reicht die stündliche Wasserstoffproduktion rechnerisch für etwa zwei Tonnen Stahl.
Die Wirtschaftlichkeit bleibt dabei die zentrale Herausforderung auf dem Weg zur emissionsfreien Produktion. Aktuell belaufen sich die Erzeugungskosten für den grünen Wasserstoff auf 7 bis 9 Euro je Kilogramm.
Für einen wettbewerbsfähigen Business Case peilt der Konzern langfristig ein Preisniveau von 2 bis 3 Euro je Kilogramm an. Das Management berichtet zugleich über erste Verkäufe von CO₂-reduziertem Stahl im Baubereich sowie über Vereinbarungen mit Automobilherstellern.
Elektrolichtbogenöfen als Zwischenschritt bis 2029
Der eigentliche Hebel für die CO₂-Reduktion im Konzern greift bereits vor einem großflächigen Wasserstoffeinsatz. Im ersten Halbjahr 2027 plant Voestalpine die Inbetriebnahme von zwei grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenöfen an den Standorten Linz und Donawitz.
Mit diesem Technologieschritt will der Stahlkonzern seine CO₂-Emissionen bis 2029 um bis zu 30 Prozent senken. Das langfristige Unternehmensziel bleibt eine Netto-Null-Stahlproduktion bis zum Jahr 2050.
Parallel zu den Fortschritten beim Anlagenbetrieb meldete der Konzern eine Director’s-Dealings-Transaktion: Aufsichtsrat Gerhard Scheidreiter veräußerte gestern 441 Aktien im Rahmen eines Mitarbeiterbeteiligungsprogramms abseits des Handelsplatzes.
An der Börse beendete die Voestalpine-Aktie die Handelswoche am Freitag bei einem Schlusskurs von 44,44 Euro, was einem Tagesplus von 1,4 Prozent entsprach. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit einen Zuwachs von 18 Prozent.
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