Voestalpine hat ein starkes Geschäftsjahr hinter sich — und ein regulatorisches Rückenwindpaket, das gerade nochmals größer wird. Der österreichische Stahlkonzern meldet einen Gewinnsprung von fast 138 Prozent. Zeitgleich verschärft die EU ihren Importschutz für Stahl und weitet ihn nun auf verarbeitete Produkte aus.
CBAM-Erweiterung: Schutz für die gesamte Wertschöpfungskette
Am 12. Juni einigten sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine Erweiterung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM. Künftig fallen auch Folgeprodukte aus Eisen, Stahl und Aluminium unter den Importschutz. Die EU will verhindern, dass günstige Importe aus Ländern mit laxeren Klimaregeln europäische Hersteller verdrängen.
Seit Januar 2026 ist CBAM vollständig in Kraft. Er verteuert Stahlimporte aus China und der Türkei um schätzungsweise 40 bis 70 Euro je Tonne. Emissionsarme Produzenten wie Voestalpine gewinnen damit einen wachsenden Preisvorteil.
Der Schutz kommt von mehreren Seiten. Ab 1. Juli halbieren sich die zollfreien Importmengen auf 18,3 Millionen Tonnen. Der Zoll über Quote verdoppelt sich auf 50 Prozent. Ab Oktober kommt eine Melt-and-Pour-Nachweispflicht hinzu.
Geschäftsjahr 2025/26: Zahlen sprechen für sich
Der Konzerngewinn stieg auf 424 Millionen Euro — fast das Zweieinhalbfache des Vorjahres. Das operative Ergebnis (EBITDA) erreichte 1,5 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 15,1 Milliarden Euro. Das EBIT legte um 59 Prozent auf 724 Millionen Euro zu.
Kein Wunder, dass die Bilanz aufgeräumt wirkt. Der Free Cashflow von 537 Millionen Euro ermöglichte weiteren Schuldenabbau. Die Nettofinanzverschuldung sank auf 1,3 Milliarden Euro — die Gearing Ratio fiel auf 16,2 Prozent, den niedrigsten Wert seit dem Geschäftsjahr 2005/06.
Für das laufende Jahr 2026/27 erwartet der Vorstand ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro. Die Dividende soll von 60 auf 75 Cent je Aktie steigen — ein Plus von 25 Prozent, vorbehaltlich der Hauptversammlung am 1. Juli.
Gegenwind und Transformation
Nicht alles läuft reibungslos. US-Zölle von 50 Prozent auf Stahl belasteten das Ergebnis um einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Besonders die Sparte Tubulars leidet: Spezialrohre treffen auf hohe Zölle und niedrige Ölpreise.
Parallel dazu läuft das Transformationsprojekt greentec steel. In Linz und Donawitz stehen die Hallen für neue Elektrolichtbogenöfen. Die Kernaggregate liefern Zulieferer im Herbst 2026, die Inbetriebnahme beider Öfen folgt im ersten Halbjahr 2027. Rund 60 Prozent des Budgets hat Voestalpine bereits ausgegeben. Zusammen sollen die Anlagen jährlich 2,5 Millionen Tonnen CO₂-reduzierten Stahl produzieren und die Konzern-Emissionen bis 2029 um rund 30 Prozent senken.
Die Aktie notiert bei 47,42 Euro — seit Jahresanfang ein Plus von knapp 23 Prozent, auf Jahressicht sogar ein Anstieg von rund 110 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch bei 49,22 Euro liegt nur noch rund 4 Prozent entfernt.
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