Voestalpine Aktie: Elektrolichtbogenöfen ab 2027

Voestalpine treibt mit Milliarden-Investitionen die Umstellung auf grünen Stahl voran. Die Transformation birgt Chancen, aber auch erhebliche Risiken.

Auf einen Blick:
  • Milliarden-Programm für grünen Stahl
  • Elektrolichtbogenöfen ersetzen Hochöfen
  • CO2-Reduktion um 30 Prozent bis 2029
  • Kundeninteresse an grünem Stahl wächst

1,5 Milliarden Euro für den ersten Schritt. Net-Zero bis 2050. Voestalpine hat sich mit „greentec steel“ Österreichs größtes Klimaschutzprogramm auferlegt. Die Frage ist nicht, ob der Konzern grünen Stahl will. Die Frage ist, ob er sich die Transformation leisten kann, ohne die eigene Rentabilität zu verlieren.

Der Kurs notiert bei 44,94 Euro, nur 8,70 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Über zwölf Monate steht ein Plus von 83,58 Prozent. Der Markt traut dem Umbau offenbar mehr zu, als man angesichts der Risiken vermuten würde.

Elektrolichtbogenöfen statt Hochofen

Im Zentrum der ersten Phase stehen neue Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz. Sie sollen die CO2-intensiven Hochöfen schrittweise ablösen. Die ersten Anlagen sollen bereits im ersten Halbjahr 2027 anlaufen.

Das Ziel dahinter ist konkret: Bis 2029 will Voestalpine die konzernweiten CO2-Emissionen um bis zu 30 Prozent gegenüber 2019 senken. Das entspricht fast 4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr – knapp 5 Prozent der gesamten österreichischen Emissionen. Eine einzelne Stahlfirma bewegt hier also eine Größenordnung, die sonst nur ganze Sektoren erreichen.

In Donawitz laufen die Bauarbeiten planmäßig. Das Unternehmen erweitert zudem seine Wasserstoffpilotanlage H2FUTURE in Linz – ein Baustein für die Zeit nach 2030, wenn weitere Hochöfen in Linz und Donawitz stillgelegt werden sollen. Am Standort Donawitz könnte das die CO2-Emissionen um mehr als 90 Prozent gegenüber 2019 drücken.

Das ist der Unterschied zwischen einer Ankündigung und einem echten Umbau: Voestalpine baut nicht nur Kapazität um, sie zieht ganze Produktionslinien aus dem fossilen Zeitalter heraus.

Der Preis der Transformation

So ambitioniert der Plan ist, so real bleiben die Risiken. Grüner Strom muss in ausreichender Menge und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sein – ohne diese Voraussetzung funktioniert das gesamte Konzept nicht. Die Kosten durch den EU-Emissionshandel belasten die Bilanz zusätzlich, und offene Förderfragen sind noch nicht geklärt.

Voestalpine fordert deshalb zusammen mit anderen europäischen Stahlkonzernen eine pragmatische Reform des EU-ETS. Ohne sie drohe die europäische Stahlindustrie im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen zu geraten. Das ist keine reine Lobbyarbeit – es ist die Kehrseite einer Strategie, die enorme Investitionen in eine Zukunft steckt, deren Rahmenbedingungen die Politik noch nicht final abgesteckt hat.

Auf der Erlösseite gibt es erste Erfolge. Voestalpine liefert bereits CO2-reduzierten Premium-Stahl unter der Marke „greentec steel Edition“ – und stößt damit auf reges Kundeninteresse. Die Nachfrage nach klimafreundlichem Stahl ist also kein theoretisches Konstrukt, sondern bereits Realität im Auftragsbuch.

Die Transformation zu grünem Stahl ist kein Sprint, sondern ein Marathon über Jahrzehnte. Voestalpine hat die ersten Kilometer zurückgelegt und dabei bereits Milliarden investiert. Ob der Konzern das Tempo halten kann, ohne die Bilanz zu überdehnen, entscheidet sich an zwei Terminen: der Inbetriebnahme der ersten Elektrolichtbogenöfen 2027 und der Frage, wie die EU ihre Emissionshandelsregeln bis dahin reformiert.

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