Der Linzer Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 einen deutlichen Ergebnissprung verzeichnet. Getrieben durch einen bedeutenden Infrastrukturauftrag und Sondereffekte aus Verkäufen konnte das Unternehmen seine Profitabilität im Vergleich zum Vorjahreszeitraum massiv steigern.
Deutliche Ergebnissteigerung im ersten Quartal
In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres, das am 1. April begann, stieg der Umsatz der Voestalpine leicht auf 4,0 Milliarden Euro. Medienberichten zufolge legte das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) deutlich kräftiger zu und erreichte 495 Millionen Euro.
In diesem Wert sind rund 100 Millionen Euro als Sondereffekt aus dem Verkauf von Böhler Profil enthalten. Ohne diesen Einmaleffekt läge das Ergebnis dennoch spürbar über den 361 Millionen Euro des Vorjahresquartals.
Noch deutlicher fiel das Plus beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) aus, das um 78,8 Prozent auf 307 Millionen Euro kletterte. Unter dem Strich verblieb ein Gewinn nach Steuern von 196 Millionen Euro, was nahezu einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreswert entspricht.
Parallel dazu gelang es dem Konzern, die Nettofinanzverschuldung innerhalb eines Jahres um mehr als ein Viertel auf rund 1,0 Milliarden Euro zu senken. Das Unternehmen bestätigte am 5. August seine Prognose für das Gesamtjahr und erwartet weiterhin ein EBITDA in einer Bandbreite von 1,60 bis 1,85 Milliarden Euro.
Historischer Großauftrag für Schienensysteme
Ein wesentlicher Treiber für die langfristige Auslastung ist der jüngst gesicherte Großauftrag im Bereich Railway Systems. Für das europäische Infrastrukturprojekt Rail Baltica liefert Voestalpine Hochleistungstechnik im Wert von rund 470 Millionen Euro. Dies stellt den größten Einzelauftrag in der Geschichte dieses Geschäftsbereichs dar.
Das Paket umfasst die Lieferung von bis zu 1.000 Hochgeschwindigkeits- und Normalweichen, die mit digitaler Überwachungstechnologie ausgestattet sind. Die Produktion soll an den Standorten in Litauen und Lettland erfolgen, wobei die ersten Prototypen für das Jahr 2027 geplant sind. Das Projekt unterstreicht die strategische Ausrichtung des Konzerns auf hochtechnologische Infrastrukturlösungen jenseits der klassischen Stahlproduktion.
Herausforderungen im Automobilsektor und grüne Transformation
Trotz der starken Quartalszahlen sieht sich Voestalpine mit einem heterogenen Marktumfeld konfrontiert. Während die Steel Division weitere Marktanteile in der Automobilindustrie gewinnen konnte, bleibt die Lage im Bereich Automotive Components schwierig.
Vor allem in Europa dämpft die schwache Nachfrage aus dem Baugewerbe, dem Maschinenbau und dem Konsumgütersektor die Dynamik. Infolgedessen sank die Zahl der Beschäftigten durch Reorganisationsmaßnahmen in den Divisionen High Performance Metals und Automotive Components leicht auf etwa 48.640 Vollzeitäquivalente.
Gleichzeitig treibt das Management die Dekarbonisierung unter der Marke Greentec Steel voran. Die neuen Elektrolichtbogenofen-Anlagen in Linz und Donawitz befinden sich in der Umsetzung und sollen im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen. Für den Standort Donawitz genehmigte der Aufsichtsrat zudem Investitionen von rund 100 Millionen Euro für eine weitere Erweiterung bis zum Jahr 2030.
Analysten heben die Kursziele an
Die jüngste Geschäftsentwicklung stieß bei Experten auf positive Resonanz. Am vergangenen Freitag hob die Erste Group das Kursziel für die Voestalpine-Aktie auf 55,30 Euro an und stufte den Wert auf „Accumulate“ hoch. Bereits am 10. Juli hatte JPMorgan das Papier von „Underweight“ auf „Overweight“ hochgestuft und ein Kursziel von 50 Euro ausgegeben.
An der Börse wird die Entwicklung derzeit wohlwollend quittiert. Aktuell notiert die Aktie bei 46,90 Euro, was einem Plus von 1,0 Prozent am heutigen Handelstag entspricht. Damit verbucht der Titel seit Jahresbeginn einen Zuwachs von 24 Prozent.
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