Der EU-Rat hat letzte Woche neue Stahlschutzmaßnahmen beschlossen. Für Voestalpine kommt das zur richtigen Zeit — der österreichische Konzern steht so gut da wie seit Jahren nicht.
Schärfere Importregeln ab Juli
Am 8. Juni verabschiedete der EU-Rat das neue Schutzregime. Es tritt nahtlos in Kraft, wenn die bisherigen Maßnahmen Ende Juni auslaufen.
Die zollfreien Einfuhrkontingente sinken auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr — ein Rückgang um 47 Prozent gegenüber 2024. Außerhalb dieser Kontingente verdoppelt sich der Zollsatz auf 50 Prozent. Ab Oktober 2026 müssen Importeure zusätzlich das Schmelz- und Gießland offenlegen. Dieser Mechanismus soll Umgehungsgeschäfte über Drittländer unterbinden.
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl nannte die Entscheidung ein „starkes Signal für den Stahlstandort Deutschland und Europa“.
Starke Bilanz trifft auf Gegenwind
Voestalpine empfängt das neue Regime in guter Verfassung. Im Geschäftsjahr 2025/26 fiel der Umsatz leicht auf 15,1 Milliarden Euro. Das EBIT stieg jedoch um 59 Prozent auf 724 Millionen Euro. Die Verschuldung liegt auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten.
Belastungen bleiben dennoch real. Die US-Zölle von 50 Prozent auf Stahl kosteten den Konzern im abgelaufenen Jahr einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Hinzu kommen gestiegene Energiekosten: Die seit Ende Februar weitgehend gesperrte Straße von Hormus trieb den europäischen Großhandelsgaspreis zeitweise auf über 60 Euro pro MWh. Voestalpine kauft allerdings nur rund 6 Prozent seines Gesamtenergieverbrauchs netzgebunden zu — die Belastung bleibt damit strukturell begrenzt.
Hauptversammlung und Dividende
Am 1. Juli 2026 findet die ordentliche Hauptversammlung im Design Center Linz statt. Auf der Agenda: eine Dividendenerhöhung von 60 auf 75 Cent je Aktie. Wer abstimmen und die Dividende kassieren will, muss am 21. Juni Anteile halten — das ist der Nachweisstichtag.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 erwartet das Management ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro.
Die Aktie hat seit ihrem 52-Wochen-Tief von 22,20 Euro im Juni 2025 mehr als 100 Prozent zugelegt und notiert aktuell bei 46,48 Euro — rund 5,6 Prozent unter dem Jahreshoch. Laut Eurofer dürfte der Stahlverbrauch in der EU 2026 um 4 bis 5 Prozent steigen. Die Lagerbestände sind nach drei Jahren des Abbaus niedrig, eine Wiederauffüllung gilt als wahrscheinlich. Ob das die Nachfrage im laufenden Quartal schnell genug ankurbelt, entscheidet mit darüber, wann die Aktie das Februarhoch von 49,22 Euro wieder angreift.
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