Voestalpine kommt beim Bau der neuen Elektrolichtbogenöfen am Standort Donawitz voran. Wie das Unternehmen heute mitteilte, sind bei beiden geplanten Anlagen – EAF 1 und EAF 2 – die zentralen Bauteile installiert: Ofengefäße, Abdeckungen und Drehtürme stehen.
Die Öfen arbeiten mit Grafitelektroden und erreichen Lichtbögen von bis zu 15.000 Grad Celsius. Als Einsatzstoffe dienen Schrott und heißbrikettiertes Eisen (HBI), das Fördersystem für den Schrott befindet sich weiter im Aufbau.
Der Umbau markiert für Voestalpine einen strategischen Schritt weg von der klassischen Hochofenroute hin zur Stahlerzeugung über Elektrolichtbogenöfen – ein Verfahren, das deutlich weniger CO2-intensiv ist. Donawitz gilt konzernintern als Schlüsselstandort für diesen Wandel, nachdem in den vergangenen Wochen bereits über den Baufortschritt berichtet wurde.
Rohstofflogistik als Nadelöhr
Parallel zum Anlagenbau rückt die Versorgungssicherheit in den Fokus. Die ÖBB Rail Cargo Group, Voestalpine und die slowenische Bahngesellschaft SŽ-Tovorni promet haben heute bestätigt, dass die Rohstofftransporte über den Hafen Koper trotz laufender Bauarbeiten reibungslos funktionieren.
Im vergangenen Jahr wurden auf diesem Weg 3,1 Millionen Tonnen Rohstoffe zu den Standorten Linz und Donawitz transportiert. Der tägliche Bedarf liegt bei 40.000 Tonnen, insgesamt befördert die ÖBB Rail Cargo Group jährlich 8,5 Millionen Tonnen für den Konzern.
Die Baustellen an den Werksstandorten erfordern nach Angaben der Beteiligten eine enge Abstimmung zwischen Bahnbetreibern und Konzern, um Lieferketten nicht zu gefährden.
Diese logistische Komponente ist keine Nebensache: Ein Umbauprojekt dieser Größenordnung steht und fällt mit der pünktlichen Anlieferung von Schrott und Eisenerzprodukten. Dass die Partner die Zusammenarbeit gerade jetzt öffentlich hervorheben, unterstreicht, wie sensibel die Bauphase für den Produktionsbetrieb ist.
Nordamerika-Geschäft wächst weiter
Abseits der Umbauarbeiten in der Steiermark expandiert die Sparte Railway Systems in Nordamerika. Voestalpine errichtet im kanadischen Thorold, Ontario, eine neue Produktionsstätte für Weichen- und Schienenkomponenten. Grundlage ist eine langfristige Liefervereinbarung mit Canadian National, der größten Güterbahngesellschaft des Landes. Mit der neuen Fertigung verfügt die Sparte künftig über 14 Standorte in Nordamerika.
Kurs bewegt sich seitwärts
An der Börse spiegelt sich die operative Dynamik derzeit kaum wider. Die Aktie notiert bei 44,84 Euro und damit knapp unter dem Schlusskurs vom Vortag von 44,96 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,1 Prozent zu Buche, über die vergangenen 30 Tage beträgt der Rückgang 2,3 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Titel dennoch mit 19 Prozent im Plus, was den langfristigen Aufwärtstrend relativiert, den die kurzfristige Schwäche überlagert.
Der Baufortschritt in Donawitz und die gesicherte Logistik über Koper liefern Anlegern Bestätigung, dass der Umbau zur grünen Stahlproduktion planmäßig läuft – ohne dass davon kurzfristig ein Kursimpuls ausgeht. Entscheidend bleibt, ob die Inbetriebnahme der neuen Öfen im geplanten Zeitrahmen gelingt, denn davon hängt ab, wie schnell sich die Investitionen in sinkende Emissionskosten und stabilere Margen übersetzen.
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