Voestalpine hat gleich mehrere gute Nachrichten auf einmal. Der Stahlkonzern aus Linz sichert sich den größten Einzelauftrag seiner Bahnsparte, profitiert von einer EU-US-Zolleinigung und kann starke Jahreszahlen vorweisen. Das Bild ist selten so vollständig gewesen.
Rekordauftrag für Rail Baltica
Railway Systems hat einen Rahmenvertrag über mehr als 470 Millionen Euro gewonnen. Das Projekt: bis zu 1.000 Hochgeschwindigkeitsweichen für die Bahnverbindung zwischen Helsinki und Warschau. Produziert wird in Litauen und Lettland. Erste Prototypen plant Voestalpine für 2027.
Die Bahnsparte steht damit auf einem starken Fundament. Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte sie einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Der Rail-Baltica-Auftrag unterstreicht, warum Voestalpine im Bahninfrastrukturgeschäft zu den Marktführern zählt.
Zollentlastung aus Washington
Parallel dazu löst sich ein Belastungsfaktor. Das EU-Parlament billigte ein Handelsabkommen mit den USA. Kern des Deals: US-Zölle auf europäischen Stahl sinken auf maximal 15 Prozent bis Jahresende.
Das ist eine deutliche Verbesserung. Washington hatte zuvor einen 50-prozentigen Tarif auf Voestalpines Exporte erhoben. Spezialrohre für die Öl- und Gasindustrie traf das besonders hart. Das Management hatte einen negativen Ergebniseffekt von 60 bis 80 Millionen Euro erwartet.
Eine Notfallklausel sichert die EU-Position ab. Setzt Washington die Erleichterungen nicht um, darf die EU ihre Zollbefreiung für US-Industriegüter aussetzen.
Europäischer Schutzwall wird enger
Der EU-Rat hat am 8. Juni weitere Maßnahmen beschlossen. Ab Juli sinken die Importquoten um rund 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen. Zölle außerhalb dieser Quoten steigen von 25 auf 50 Prozent.
Ab Oktober greift das „Melt-and-Pour“-Prinzip. Importeure müssen dann nachweisen, wo ihr Stahl ursprünglich geschmolzen und gegossen wurde. Das verteuert Umgehungsgeschäfte erheblich.
Hinzu kommt CBAM. Seit Januar 2026 vollständig in Kraft, belastet das System Stahlimporte aus China und der Türkei mit 40 bis 70 Euro je Tonne. Ausländischer Stahl kostet inklusive CBAM-Aufschlag nun rund 600 bis 620 Euro pro Tonne. Der traditionelle Importpreisabschlag ist damit weitgehend verschwunden.
Zahlen und Dekarbonisierung
Die Jahreszahlen sprechen für sich. Der Konzerngewinn stieg auf 424 Millionen Euro — fast das Zweieinhalbfache des Vorjahres. Das EBIT legte um 59 Prozent auf 724 Millionen Euro zu. Der Umsatz erreichte 15,1 Milliarden Euro.
Der Free Cashflow von 537 Millionen Euro ermöglichte weiteren Schuldenabbau. Die Gearing Ratio fiel auf 16,2 Prozent — der niedrigste Wert seit dem Geschäftsjahr 2005/06. Für 2026/27 erwartet der Vorstand ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro.
Das Dekarbonisierungsprogramm greentec steel läuft planmäßig. Den Rohbau der neuen Elektrolichtbogenofen-Halle in Linz schloss Voestalpine im April 2026 termingerecht ab. Der erste Ofen soll im Februar 2027 anlaufen. Rund 60 Prozent des 1,5-Milliarden-Euro-Budgets hat der Konzern bereits ausgegeben. Das Programm soll die Konzern-Emissionen bis 2029 um rund 30 Prozent senken.
Schwachstelle Automotive
Nicht alles läuft rund. Die Division Metal Forming bleibt das schwache Glied. Sie beliefert die Autoindustrie — und die schwächelt in Europa erheblich.
Bahn und Luftfahrt laufen dagegen gut. Im Luftfahrtsektor sicherte sich Voestalpine Aufträge über rund eine Milliarde Euro. Laut Branchenverband Eurofer steigt der Stahlverbrauch in der EU 2026 um vier bis fünf Prozent. Die Lagerbestände sind nach drei Jahren des Abbaus niedrig. Eine Wiederbefüllung gilt als wahrscheinlich — das würde die Nachfrage zusätzlich stützen.
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