Visa und Mastercard: Warum die Kreditkarten-Giganten stärker sind als gedacht

Die Kreditkartenkonzerne Visa und Mastercard präsentieren starke operative Ergebnisse und optimistische Ausblicke, obwohl politische Zinsdeckel-Debatten das Anleger-Sentiment belasten.

Auf einen Blick:
  • Solides Umsatz- und Gewinnwachstum übertrifft Analystenerwartungen
  • Politische Zinsdeckel-Debatte belastet Aktienkurse
  • Einigung auf Senkung der Händlergebühren in Klageverfahren
  • Optimistische Wachstumsprognosen für das laufende Geschäftsjahr

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wenn Regierungen anfangen, Geschäftsmodelle zu regulieren, werden Anleger normalerweise nervös. Besonders dann, wenn es um Preiskontrollen geht. Die jüngsten Quartalszahlen von Visa und Mastercard zeigen jedoch ein bemerkenswertes Bild. Trotz politischer Unwägbarkeiten und drohender Eingriffe in die Zinsgestaltung bei Kreditkarten präsentieren sich die beiden Zahlungsriesen robuster als von vielen erwartet. Die Frage ist nicht, ob die Unternehmen Gegenwind spüren. Die Frage ist vielmehr, wie resilient ihre Geschäftsmodelle wirklich sind.

Starke Zahlen im Schatten der Politik

Visa legte für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen bereinigten Gewinn von 3,17 Dollar je Aktie vor. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Nettoumsatz kletterte ebenfalls um 15 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Beide Werte übertrafen die Erwartungen der Analysten, die mit 3,14 Dollar je Aktie und 10,39 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet hatten.

Die Wachstumstreiber zeigen die fundamentale Stärke des Geschäfts. Das Zahlungsvolumen wuchs um 8 Prozent, grenzüberschreitende Transaktionen legten um 12 Prozent zu, und die Gesamtzahl der verarbeiteten Transaktionen stieg um 9 Prozent. CEO Ryan McInerney verwies auf resiliente Konsumentenausgaben und eine starke Weihnachtssaison als wesentliche Faktoren für das erfolgreiche Quartal.

Mastercard präsentierte für das vierte Quartal ebenfalls überzeugende Resultate. Der bereinigte Gewinn erreichte 4,76 Dollar je Aktie und übertraf damit die Konsensschätzung von 4,24 Dollar deutlich. Der Nettoumsatz belief sich auf 8,81 Milliarden Dollar, ein Plus von 15 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Auch hier lagen die Ergebnisse leicht über den Markterwartungen von 8,77 Milliarden Dollar.

Die Aktienmärkte reagieren gespalten

Die Börsenreaktionen auf diese soliden Zahlen fielen allerdings unterschiedlich aus. Während Mastercard direkt nach den Zahlen mit einem Kursanstieg von 3,4 Prozent honoriert wurde, gab die Visa-Aktie um 1,9 Prozent nach. Diese Diskrepanz ist bemerkenswert, zumal beide Unternehmen ähnlich starke operative Ergebnisse präsentierten.

Ein wesentlicher Faktor für die Zurückhaltung bei Visa dürfte die Bewertung sein. Die Aktie hatte sich über längere Zeit besser entwickelt als Mastercard und näherte sich historischen Höchstständen. Die Gewinnmitnahmen nach den Quartalszahlen erscheinen vor diesem Hintergrund nachvollziehbar, selbst wenn die Fundamentaldaten keinen Anlass zur Sorge bieten.

Über den Jahresverlauf zeigt sich ein einheitlicheres Bild. Visa notierte zum Zeitpunkt der Zahlenvorlage rund 5,4 Prozent im Minus, Mastercard sogar 8,7 Prozent. Beide Werte entwickelten sich damit deutlich schwächer als der S&P 500, der im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozent zulegte. Die Underperformance hat weniger mit operativen Schwächen zu tun als mit externen Faktoren, die das Sentiment belasten.

Der Schatten der Zinsdeckel-Debatte

Die größte Belastung für beide Aktien erwuchs aus politischen Vorstößen zur Regulierung von Kreditkartenzinsen. Der Vorschlag, die Zinssätze für ein Jahr auf 10 Prozent zu begrenzen, liegt weit unter dem aktuellen durchschnittlichen Zinsniveau von 19,65 Prozent für reguläre Kreditkarten und sogar 30,14 Prozent für Händlerkarten.

Für Anleger war diese Ankündigung zunächst ein Schock. Kreditkartenzinsen sind ein wesentlicher Bestandteil der Erträge von Kartenausgebern, und eine drastische Begrenzung könnte die Profitabilität des gesamten Ökosystems beeinträchtigen. Allerdings ist die direkte Betroffenheit von Visa und Mastercard begrenzt. Beide Unternehmen verdienen ihr Geld primär an Transaktionsgebühren, nicht an Zinserträgen.

Verschiedene Analysten haben darauf hingewiesen, dass die Auswirkungen eines Zinsdeckels auf Visa und Mastercard weniger gravierend sein könnten als zunächst befürchtet. Sollten Banken tatsächlich gezwungen werden, die Zinsen zu senken, könnten sie verstärkt auf Debitkarten setzen oder höhere Transaktionsgebühren verlangen. In beiden Fällen würden die Zahlungsnetzwerke weiterhin profitieren.

Mastercard-CEO Michael Miebach zeigte sich in der Telefonkonferenz diplomatisch. Es gebe einen aktiven Dialog zwischen der Branche und der Regierung über alternative Ansätze zur Verbesserung der Erschwinglichkeit. Das Unternehmen setze keine Zinssätze, habe aber ein gemeinsames Interesse daran, dass das Kreditökosystem funktioniere und Zugang zu Krediten gewährleistet bleibe.

Das Settlement mit den Händlern

Parallel zu den politischen Unsicherheiten bewegt auch eine rechtliche Altlast die Branche. Visa und Mastercard einigten sich darauf, die Kreditkartengebühren für Händler über einen Zeitraum von fünf Jahren um 0,1 Prozentpunkte zu senken. Diese Vereinbarung dient der Beilegung einer Klage aus dem Jahr 2005, in der Händler den Unternehmen und kartenausgebenden Banken wettbewerbswidriges Verhalten vorwarfen.

Das Settlement muss noch vom Gericht genehmigt werden. Die Reduzierung der Händlergebühren um einen Zehntel Prozentpunkt mag marginal erscheinen, summiert sich jedoch über die enorme Transaktionsmenge, die beide Netzwerke abwickeln. Für Visa und Mastercard bedeutet dies einen spürbaren, aber überschaubaren Ertragsdruck. Wichtiger als die unmittelbare finanzielle Auswirkung ist die Signalwirkung.

Die Einigung zeigt, dass beide Unternehmen bereit sind, auf regulatorischen und rechtlichen Druck zu reagieren, ohne in langwierige Gerichtsverfahren verstrickt zu bleiben. Diese pragmatische Haltung reduziert Unsicherheiten und ermöglicht es dem Management, sich auf das operative Geschäft zu konzentrieren.

Die Ausblicke und ihre Implikationen

Trotz aller externen Herausforderungen geben sich beide Unternehmen optimistisch für das laufende Geschäftsjahr. Visa prognostiziert für das zweite Fiskalquartal ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Bereich. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen ebenfalls ein Wachstum von Umsatz, Betriebskosten und Gewinn je Aktie im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Mastercard sieht das Umsatzwachstum 2026 am oberen Ende des niedrigen zweistelligen Bereichs. CEO Miebach betonte, dass das makroökonomische Umfeld unterstützend sei und gesunde Konsumenten- sowie Geschäftsausgaben zu beobachten seien. Diese Einschätzung deckt sich mit den operativen Zahlen, die beide Unternehmen vorgelegt haben.

Die Wachstumsprognosen wirken vor dem Hintergrund der politischen Unsicherheiten bemerkenswert robust. Sie basieren auf der Annahme, dass die grundlegende Dynamik des bargeldlosen Zahlungsverkehrs intakt bleibt. Die fortschreitende Digitalisierung von Zahlungsvorgängen, das Wachstum im E-Commerce und die zunehmende Durchdringung in Schwellenländern bieten strukturelle Wachstumstreiber, die kurzfristige regulatorische Eingriffe überlagern.

Das Duopol und seine Widerstandskraft

Visa und Mastercard beherrschen gemeinsam den globalen Markt für Kartenzahlungen nahezu vollständig. Diese oligopolistische Marktstruktur verleiht beiden Unternehmen eine außergewöhnliche Preissetzungsmacht und Skaleneffekte. Neue Wettbewerber haben es extrem schwer, in diesen Markt einzudringen, da die Netzwerkeffekte enorm sind.

Je mehr Händler Visa oder Mastercard akzeptieren, desto attraktiver werden die Karten für Verbraucher. Je mehr Verbraucher die Karten nutzen, desto notwendiger wird die Akzeptanz für Händler. Dieser selbstverstärkende Effekt macht die Positionen beider Unternehmen außerordentlich verteidigungsfähig.

Die hohen Margen beider Gesellschaften spiegeln diese Marktmacht wider. Selbst wenn politische Eingriffe oder Settlements zu moderaten Margenrückgängen führen sollten, bleibt die Profitabilität auf einem Niveau, um das andere Branchen die Zahlungsdienstleister beneiden.

Was die Zahlen für Anleger bedeuten

Die jüngsten Quartalsergebnisse bestätigen die operative Stärke von Visa und Mastercard. Beide Unternehmen wachsen im mittleren bis hohen einstelligen Bereich und steigern ihre Gewinne noch schneller. Die Konsumentenausgaben zeigen sich resilient, und die grenzüberschreitenden Transaktionen profitieren von der Erholung des internationalen Reiseverkehrs.

Die politischen Risiken sind real, aber möglicherweise überbewertet. Die Geschäftsmodelle beider Unternehmen basieren primär auf Transaktionsgebühren, nicht auf Zinserträgen. Regulatorische Eingriffe bei Kreditkartenzinsen treffen daher eher die kartenausgebenden Banken als die Zahlungsnetzwerke selbst.

Die Bewertungen beider Aktien haben sich durch die Kursschwäche der vergangenen Monate normalisiert. Nach einem längeren Zeitraum hoher Bewertungen bieten sich hier möglicherweise attraktivere Einstiegsniveaus für langfristig orientierte Anleger. Die Kombination aus solidem Wachstum, hohen Margen und defensiven Qualitäten macht beide Titel zu interessanten Kandidaten für qualitätsorientierte Portfolios.

Die Zahlungsriesen navigieren durch ein komplexes Umfeld aus politischen Unwägbarkeiten und rechtlichen Altlasten. Ihre operative Stärke und die strukturellen Vorteile ihrer Geschäftsmodelle bleiben jedoch intakt. Das macht sie widerstandsfähiger als viele Anleger derzeit annehmen.

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