Visa hat sein Geschäftsjahr 2026 mit dem höchsten Umsatz der Firmengeschichte abgeschlossen. Die Anleger reagierten dennoch zurückhaltend: Nachbörslich gab die Aktie zunächst um knapp zwei Prozent auf 394,50 Dollar nach. Erst Ende vergangener Woche hatte sie mit 414,60 Dollar ihr Rekordhoch erreicht.
Zahlen im Rahmen der Erwartungen
Der Nettoumsatz stieg um 15 Prozent auf 45,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte unter dem Strich um 17 Prozent auf 23,5 Milliarden Dollar zu, je Aktie waren es 12,32 Dollar. Bereinigt kam Visa auf 13,27 Dollar je Aktie. Das lag im Großen und Ganzen auf dem Niveau, das Experten erwartet hatten.
CEO Ryan McInerney sprach vom stärksten Wachstum seit über 15 Jahren, wenn man die Erholung nach der Pandemie und Zukäufe ausklammert. Als nächsten Wachstumstreiber nennt er „Vertrauen“.
Im vierten Quartal wuchs der Umsatz um 13 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar. Das Zahlungsvolumen legte um 9 Prozent zu, das grenzüberschreitende Volumen um 14 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment „Sonstige Erlöse“ mit einem Plus von 40 Prozent. Die Kundenanreize stiegen mit 21 Prozent allerdings schneller als der Umsatz.
Dividende, Rückkäufe, Zukauf
Der Verwaltungsrat hebt die Quartalsdividende um 16 Prozent auf 0,780 Dollar je Aktie an. Sie ist am 1. Dezember zahlbar, Stichtag ist der 10. November. Aktionäre erhielten im abgelaufenen Jahr über Dividenden und Rückkäufe insgesamt 25,6 Milliarden Dollar. Für weitere Rückkäufe stehen 24,4 Milliarden Dollar an Ermächtigung bereit.
Strategisch wichtig ist die geplante Übernahme des Betrugsabwehr-Spezialisten BioCatch für 2,4 Milliarden Dollar in bar. Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird bis Ende des zweiten Geschäftsquartals 2027 erwartet.
Rechtsstreitigkeiten belasteten das Ergebnis erneut. Im Schlussquartal buchte Visa eine Rückstellung von 469 Millionen Dollar für die Interchange-Sammelklage, zusätzlich zahlte es 405 Millionen Dollar in den Rechtsstreit-Treuhandfonds ein.
Warum der Kurs nachgibt
Der Rückgang dürfte weniger mit den Zahlen als mit der Ausgangslage zu tun haben. Die Aktie lief zuletzt stark. Hinzu kommt der ungelöste Konflikt zwischen dem Iran und den USA, der über die Inflation die Konsumausgaben belasten könnte. Marktbeobachter sehen darin einen möglichen Grund für die Skepsis gegenüber dem Optimismus der Konzernspitze.
Mit rund 750 Milliarden Dollar Börsenwert bleibt Visa klar vor Mastercard mit 534 Milliarden. Die acht zuletzt erfassten Analysten sehen Kursziele zwischen 400 und 450 Dollar. Heute Abend stellt sich das Management in einer Telefonkonferenz den Fragen der Investoren. Dort dürfte sich zeigen, wie konkret der Ausblick für 2027 ausfällt.
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