Der Zahlungsdienstleister Visa setzt verstärkt auf Technologien zur Identifizierung von Betrugsmustern und hat gestern die Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens BioCatch bekannt gegeben. Für den Spezialisten für Verhaltensbiometrie zahlt Visa einen Kaufpreis von 2,4 Milliarden US-Dollar in bar. Die Akquisition unterstreicht das Bestreben des Konzerns, den Schutz vor KI-gestützten Betrugsversuchen in seinem globalen Netzwerk auszubauen.
Übernahme von BioCatch für 2,4 Milliarden US-Dollar
BioCatch analysiert menschliches Online-Verhalten, wie etwa Tippgeschwindigkeiten, Touchscreen-Gesten oder Mausbewegungen, um autorisierte Nutzer von automatisierten Bots oder Betrügern zu unterscheiden. Das Unternehmen schützt nach eigenen Angaben rund 1,8 Milliarden Geräte und 760 Millionen Nutzer weltweit. Zu den Kunden zählen mehr als 350 Finanzinstitute in 21 Ländern, darunter drei der vier größten Banken in den USA.
Visa plant, den Abschluss der Transaktion bis zum Ende des zweiten Geschäftsquartals 2027 zu vollziehen, sofern die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen. Die Bewertung von BioCatch ist innerhalb kurzer Zeit deutlich gestiegen: Erst im Jahr 2024 hatte die Investmentgesellschaft Permira einen Mehrheitsanteil an dem Unternehmen erworben, wobei der Wert damals mit 1,3 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. BioCatch-CEO Mazor gab an, dass das Unternehmen auch nach der Übernahme als eigenständige Einheit innerhalb des Visa-Konzerns operieren soll.
Die technologische Integration ist für Visa von hoher Relevanz, da das Unternehmen jährlich rund 329 Milliarden Transaktionen über sein Netzwerk abwickelt, an das 14.500 Finanzinstitute angebunden sind. In den vergangenen fünf Jahren hat der Konzern nach eigenen Angaben insgesamt 13 Milliarden US-Dollar in Technologie investiert, um die Sicherheit der Zahlungsströme zu erhöhen.
Effizienzsteigerung durch KI und Stellenabbau
Parallel zur Expansion im Bereich Cybersicherheit treibt Visa eine interne Umstrukturierung voran. Am 28. Juli wurde bekannt, dass der Konzern weltweit rund 2.600 Stellen streichen wird, was etwa 7 Prozent der gesamten Belegschaft entspricht. Betroffen sind unter anderem Standorte in Indien und den USA. In einer Mitteilung an die Mitarbeiter begründete CEO Ryan McInerney diesen Schritt mit der Notwendigkeit, durch den Einsatz künstlicher Intelligenz effizienter zu werden und die Arbeitsabläufe zu straffen.
Diese Maßnahmen spiegeln einen breiteren Branchentrend wider, bei dem etablierte Finanzdienstleister verstärkt auf Automatisierung setzen. Analysten bewerten die Aktie im Konsens weiterhin positiv. Laut Berichten von American Market News liegt das durchschnittliche Kursziel der beobachteten Experten bei 413,12 US-Dollar. Von 31 befragten Analysten raten 24 zum Kauf des Papiers.
Solide Quartalszahlen und Aktienrückkäufe
Die jüngsten Geschäftszahlen stützen den Expansionskurs. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte Visa einen Umsatz von 11,63 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 14,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der bereinigte Gewinn pro Aktie belief sich auf 3,32 US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Marktteilnehmer.
Zusätzlich zum operativen Wachstum setzt der Konzern auf eine aktionärsfreundliche Kapitalallokation. Neben einer vierteljährlichen Dividende von 0,67 US-Dollar, die am 1. September ausgezahlt wird, läuft ein am 28. April autorisiertes Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 20 Milliarden US-Dollar.
An der Börse zeigt sich die Aktie stabil. Mit einem aktuellen Kurs von 317,30 € notiert das Papier rund 6,30 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn konnte der Wert einen Zuwachs von 5,49 Prozent verzeichnen und behauptet sich damit weiterhin in einem freundlichen Marktumfeld für Technologie- und Finanzwerte.
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