Ein Tagesplus von 18 Prozent klingt nach Euphorie. Wer aber auf den Monatschart schaut, sieht ein anderes Bild: Virgin Galactic hat in den vergangenen 30 Tagen mehr als 22 Prozent verloren. Der Freitagsanstieg war kein Aufbruch — er war eine Erholung nach heftigem Ausverkauf.
Schulden gegen Aktien: ein teurer Tausch
Der eigentliche Treiber der Woche war eine Transaktion, die Investoren aufhorchen lässt. Virgin Galactic tauschte rund 52,5 Millionen Dollar seiner Wandelanleihen mit 2,50 Prozent Kupon gegen neue Aktien und vorfinanzierte Optionsscheine. Das Ziel: die Bilanz entlasten und die Liquidität sichern.
Das Ergebnis ist ambivalent. Die ausstehenden Verbindlichkeiten aus den 2027-Anleihen sinken um rund 75 Prozent — von 70,4 auf 17,9 Millionen Dollar. Erkauft wird das mit massiver Verwässerung. Die Anzahl neuer Aktien richtet sich nach dem volumengewichteten Durchschnittspreis über fünf Handelstage, mit einem Preisboden von 3,03 Dollar und einer Obergrenze von 4,09 Dollar. Weil der Kurs aktuell bei 2,95 Dollar liegt — also unterhalb des Floors — dürften Anleger die Konditionen genau beobachten.
Zahlen ohne Umsatz
Die Quartalsergebnisse für Q1 2026 zeigen Fortschritte, aber auch die Grenzen des Geschäftsmodells. Der Nettoverlust sank auf 65 Millionen Dollar, nach 84 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Betriebskosten fielen von 89 auf 66 Millionen Dollar. Der Umsatz: 0,2 Millionen Dollar. Das Unternehmen verbrennt Kapital, ohne nennenswertes Geschäft zu machen.
Für Q2 2026 erwartet Virgin Galactic einen negativen freien Cashflow von 87 bis 92 Millionen Dollar. Danach soll es besser werden — schrittweise.
Delta-Flotte als einzige Wette
Die gesamte Strategie hängt an der Delta-Klasse. Bodentests für das erste Fahrzeug laufen. Flugtests sollen im dritten Quartal 2026 beginnen, kommerzielle Raumflüge im vierten Quartal. In Arizona baut das Unternehmen parallel die Produktionslinie für Raketenmotoren auf.
Neue Reservierungen für Flüge sind wieder offen — zum Preis von 750.000 Dollar pro Sitz. Wer bucht, wettet auf einen Zeitplan, der bisher gehalten hat, aber noch keinen einzigen kommerziellen Flug produziert hat.
Analysten vergeben mehrheitlich ein „Hold“-Rating. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 245 Prozent — ein Wert, der weniger nach Raumfahrtunternehmen klingt als nach Hochrisiko-Spekulation. Gelingt der Sprung in den kommerziellen Betrieb bis Ende 2026, ändert sich die Geschichte grundlegend. Scheitert der Zeitplan, droht die nächste Kapitalrunde — und weitere Verwässerung.
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