Der Kurssturz bei Verve Group ist mittlerweile Geschichte, doch ein Blick in die Bilanzzahlen des zweiten Quartals offenbart ein Thema, das Anleger länger beschäftigen dürfte: die steigende Verschuldung des Adtech-Unternehmens. Während der Aktienkurs seit der Vorlage der Halbjahreszahlen am vergangenen Donnerstag um 3,9 Prozent nachgab, richtet sich der Blick nun auf die Kapitalstruktur des Konzerns.
Nettoverschuldung steigt weiter an
Zum Ende des zweiten Quartals wies Verve Group eine Nettoverschuldung von 462,0 Millionen Euro aus, gegenüber 445,9 Millionen Euro zum Jahresende. Der bereinigte Verschuldungsgrad kletterte parallel von 3,0 auf 3,3 – ein Anstieg, der angesichts des zugleich schwächeren organischen Wachstums besonderes Gewicht erhält. Die bereinigte EBITDA-Marge im zweiten Quartal lag bei 22 Prozent, deutlich unter den 30 Prozent aus dem Vorjahresquartal.
Gleichzeitig baute das Unternehmen seine Liquiditätsreserve aus: Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente stiegen auf 132,4 Millionen Euro, verglichen mit 89,0 Millionen Euro zum Jahresende. Der operative Cashflow vor Working-Capital-Effekten erreichte 16,1 Millionen Euro, nach 15,3 Millionen Euro im Vorjahresquartal – ein leichter Zuwachs, der die Substanz des operativen Geschäfts unterstreicht.
Wachstum verfehlt eigene Erwartungen
Die Zahlen selbst fielen auf den ersten Blick solide aus: Das like-for-like Umsatzwachstum lag bei 6,5 Prozent auf 152,3 Millionen Euro, nach 106,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Inklusive Akquisitionen stieg der ausgewiesene Umsatz sogar um 43,5 Prozent. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 40,0 Prozent von zuvor 33,1 Prozent.
Dass der Markt dennoch mit einem Kursrutsch reagierte, lag an der Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität. CEO Remco Westermann räumte ein, das zweite Quartal 2026 sei „anspruchsvoller als erwartet“ ausgefallen, „weitgehend aufgrund makroökonomischer Gegenwinde und eines selektiveren Werbemarktes, der zu einer langsameren Beschleunigung der Werbeausgaben auf unserer Plattform führte als angenommen“.
Diese Einschätzung des Managements erklärt, warum trotz zweistelliger Wachstumsraten die Investoren enttäuscht reagierten – sie hatten mit einer stärkeren Beschleunigung gerechnet.
Prognose bleibt bestehen, Skepsis auch
Trotz des durchwachsenen Quartals bekräftigte Verve Group die Jahresprognose von 680 bis 730 Millionen Euro Umsatz und 145 bis 175 Millionen Euro bereinigtem EBITDA. Das Management begründet dies mit einer erwarteten Beschleunigung im zweiten Halbjahr und einer verbesserten Produktivität der Vertriebsteams. Ob diese Zuversicht angesichts der gestiegenen Verschuldung und der schwächelnden Marge trägt, muss sich erst noch zeigen.
Für Anleger bleibt die Kombination aus wachsendem Schuldenberg und sinkender Profitabilität der zentrale Risikofaktor. Der nächste Zwischenbericht zum dritten Quartal ist für den 23. November angekündigt – dann wird sich zeigen, ob die vom Management versprochene Wachstumsbeschleunigung tatsächlich einsetzt und ob sich der Verschuldungsgrad wieder stabilisiert.
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