Verisk hat seinen jährlichen Modellbericht zu globalen Katastrophenschäden veröffentlicht — und die Zahl darin markiert einen neuen Höchststand. Die Versicherungsbranche sollte demnach im Schnitt mit 171 Milliarden Dollar an versicherten Katastrophenschäden pro Jahr rechnen. Das sind 19 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahreswert, der höchste je von Verisk ausgewiesene Wert.
Bemerkenswert daran: Der Anstieg kommt in einem Jahr ohne einzige US-Hurrikan-Landung — zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt. Verisk-Manager Rob Newbold warnt davor, ruhige Hurrikansaisons als Entwarnung zu lesen. Stattdessen könnten sinkende Prämien und lockerere Zeichnungsstandards genau dann entstehen, wenn Disziplin am wichtigsten wäre.
Stürme statt Großkatastrophen treiben die Schäden
Zum sechsten Mal in Folge überschritten die globalen versicherten Katastrophenschäden die Marke von 100 Milliarden Dollar. Verantwortlich dafür sind nicht Erdbeben oder Hurrikane, sondern Waldbrände und schwere Gewittersysteme mit Hagel, Sturmböen und Tornados. Schwere Gewitter allein stehen für 40 Prozent des globalen Modellrisikos — vor tropischen Wirbelstürmen mit 27 Prozent und Erdbeben mit 10 Prozent.
Die USA bleiben mit 117 Milliarden Dollar der Löwenanteil des globalen Risikos, das entspricht 68 Prozent der Gesamtsumme. In einem Extremszenario mit 100-jähriger Wiederkehrperiode könnten die Schäden laut Modell sogar auf 477 Milliarden Dollar steigen.
Hinter dem Anstieg stehen strukturelle Trends, die unabhängig vom Wetter wirken: Die versicherten Werte wachsen seit 2021 um rund 7 Prozent jährlich, während die Wiederaufbaukosten in den USA im gleichen Zeitraum um etwa 5 Prozent pro Jahr steigen — schneller als die allgemeine Inflation. Hinzu kommt, dass immer mehr Bebauung in gefährdete Zonen vordringt, etwa in Überschwemmungsgebiete in England.
Die Lücke zwischen Schaden und Versicherung bleibt groß
Der Bericht legt zudem eine strukturelle Schwäche offen: Weltweit sind nur rund 38 Prozent der wirtschaftlichen Katastrophenschäden überhaupt versichert. In Europa liegt die Quote mit 22 Prozent noch deutlich niedriger — von 110 Milliarden Dollar erwarteten jährlichen Wirtschaftsschäden sind nur etwa 24 Milliarden Dollar abgesichert.
Als Beispiel nennt Verisk das Erdbeben in Myanmar im März 2025, bei dem Versicherer von rund 12 Milliarden Dollar Wirtschaftsschaden weniger als 100 Millionen Dollar deckten.
Für Verisk selbst ist der Bericht auch ein Geschäftsargument: Je komplexer und dynamischer das Risikobild wird, desto mehr Bedarf entsteht bei Versicherern für die eigenen Modellierungs- und Datenprodukte des Unternehmens. Die Ausweitung der Modellabdeckung auf mehr als 120 Länder und Regionen positioniert Verisk als zentralen Anbieter für eine Branche, die zunehmend mit strukturell steigenden Risiken kalkulieren muss.
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