Bei der VAT Group klaffen zwei Welten auseinander. Die Auftragsbücher des Schweizer Vakuumventil-Herstellers füllen sich wie nie zuvor. Die Marge bröckelt trotzdem. Genau dieser Widerspruch treibt aktuell die Analysten um.
Auftragseingang verdoppelt sich
VAT profitiert weiter vom Boom in der Halbleiterindustrie. Im zweiten Quartal 2026 verdoppelten sich die Auftragseingänge im Jahresvergleich auf 500 Millionen Franken. Das übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich.
Beim Umsatz zeigte sich das Unternehmen zurückhaltender. Die Verkäufe stiegen im zweiten Quartal um 2,9 Prozent auf 291 Millionen Franken. Damit landete VAT am oberen Ende der eigenen Prognose von 265 bis 295 Millionen Franken.
Personalkosten drücken auf die Marge
Beim Gewinn kann VAT dem Auftragswachstum bislang nicht folgen. Der Betriebsgewinn auf EBITDA-Stufe sank im ersten Halbjahr um 10,2 Prozent auf 148,2 Millionen Franken.
Die Marge rutschte um 0,6 Prozentpunkte auf 29,0 Prozent ab. Grund sind höhere Personalkosten durch den laufenden Kapazitätsausbau.
VAT investiert aktuell kräftig, um künftige Nachfrage bedienen zu können. Unter dem Strich sank der Reingewinn nach sechs Monaten um 6,4 Prozent auf 98,8 Millionen Franken.
Damit blieb VAT leicht hinter den Schätzungen der Analysten zurück. Das Management hält trotzdem an seinen Jahreszielen fest. Für 2026 erwartet der Vorstand weiterhin steigende Werte bei Auftragseingang, Umsatz, EBITDA-Marge, Reingewinn und freiem Cashflow.
Analysten erhöhen ihre Kursziele
Die Rekordaufträge scheinen bei den Analysten schwerer zu wiegen als die schwächere Marge. Der zuständige BNP-Paribas-Analyst hob sein Kursziel diese Woche von 755 auf 805 Franken an. Er bestätigte dabei sein „Outperform“-Rating.
Auch Barclays zeigte sich optimistisch und setzte ein hohes Kursziel an. Im Schnitt liegen die bei Bloomberg erfassten Kursziele rund 7,1 Prozent über dem aktuellen Kurs der Aktie.
Am Markt spiegelt sich diese Zuversicht bislang nur bedingt. Die Aktie schloss zuletzt bei 701,60 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von über 70 Prozent zu Buche – ein Beleg für die strukturelle Stärke des Halbleiterzyklus, von dem VAT als Zulieferer profitiert.
Ruhig wird es um das Papier vorerst nicht. Mit einer annualisierten Volatilität von rund 48,5 Prozent zählt VAT weiterhin zu den schwankungsfreudigeren Werten im Sektor.
Der Auftragsüberhang von 500 Millionen Franken belegt den strukturellen Rückenwind aus der Halbleiterindustrie. Die Marge bleibt vorerst der Schwachpunkt in der VAT-Bilanz. Das Management hat sich für das Gesamtjahr dennoch steigende Werte über die gesamte Kennzahlenbreite vorgenommen.
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