Der Wettbewerb um Europas günstigsten Welt-ETF spitzt sich zu. Vanguards FTSE All-World UCITS ETF (IE00BK5BQT80), mit rund 70 Milliarden Euro Volumen und 3.782 Titeln einer der größten Fonds seiner Art, hatte seine Gesamtkostenquote Ende Juli von 0,19 auf 0,14 Prozent gesenkt. Genutzt hat das kaum: Xtrackers bietet seinen FTSE All-World seit Anfang Juni für 0,07 Prozent an, iShares verlangt seit Mai 0,12 Prozent.
Zwei Konkurrenten drücken die Marge
Während Vanguard mit seiner breiten Streuung und langer Historie punktet, holen die Rivalen bei den Kosten auf. Der Xtrackers-Fonds kommt bislang nur auf rund 80 Millionen Euro Volumen und knapp 1.700 Titel – deutlich schmaler aufgestellt als das Vanguard-Produkt. Auch iShares bleibt mit 26 Millionen Euro noch ein Nischenprodukt. Invesco verlangt mit 0,15 Prozent sogar mehr als Vanguard und verwaltet vier Milliarden Euro.
Die Renditen der Konkurrenten liegen dennoch nah beieinander: Vanguards Zwölf-Monats-Rendite lag zuletzt bei 23,58 Prozent, der zugrunde liegende Index bei 23,59 Prozent – die Abbildungsgenauigkeit bleibt also hoch, trotz der bisher höheren Gebühr.
Wechsel lohnt sich für Bestandsanleger kaum
Für Anleger, die bereits investiert sind, rechnet sich ein Umstieg zum günstigeren Xtrackers-Produkt meist nicht. Bei einer Beispielrechnung mit 10.000 Euro Anlagesumme und 7 Prozent Rendite über zehn Jahre stünde einer Kostenersparnis von 127 Euro eine Steuerlast von 1.522 Euro gegenüber, die beim Verkauf der Altbestände fällig würde. Der Gebührenvorteil der Konkurrenz wird damit von der Besteuerung realisierter Gewinne mehr als aufgezehrt.
Das erklärt auch, warum Vanguard trotz der aggressiven Preispolitik der Rivalen kaum Kapital verliert. Die Trägheit im Massengeschäft der Altersvorsorge- und Sparplan-Anleger spielt dem etablierten Anbieter in die Karten – ein Wechsel lohnt sich rechnerisch erst bei sehr langen Restlaufzeiten oder steuerbegünstigten Konten.
Kursbild bleibt stabil
Am Markt zeigt sich der ETF von der Debatte um Gebühren unbeeindruckt. Der Kurs schloss am Freitag bei 166,22 Euro, ein Plus von 0,6 Prozent auf Tagesbasis. Auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 22 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass die Wertentwicklung des breiten Weltaktienmarktes für Anleger nach wie vor schwerer wiegt als Unterschiede von wenigen Basispunkten bei der Kostenquote.
Der eigentliche Wettbewerbsvorteil des größten Anbieters liegt damit weniger im Preis als in der Größe: Ein tieferer, liquiderer Markt sorgt für engere Spreads und geringere Handelskosten – ein Faktor, den die kleineren Konkurrenten mit ihren noch dünnen Handelsvolumina bislang nicht ausgleichen können. Ob sich das mit wachsendem Volumen bei Xtrackers und iShares ändert, dürfte die Preisdynamik im Sektor in den kommenden Quartalen weiter bestimmen.
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