Während europäische Aktienmärkte unter steigenden Anleiherenditen und einem festeren Ölpreis leiden, zeigt sich bei einem der größten ETFs Europas ein anderes Bild: Privatanleger greifen weiter zu.
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation belegte bei den Kunden des Brokers Interactive Investor im September den zweiten Platz unter den meistgekauften Indexfonds und ETFs – nur die Schwesterstrategie Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF verkaufte sich noch häufiger.
Die Rangliste bildet reine Kaufaktivität ab, keine Netto-Mittelzuflüsse. Dennoch passt sie zu dem Bild, das sich bereits bei den Fondsflüssen der vergangenen Wochen gezeigt hatte: Der Welt-ETF zählte im September zu den gefragtesten globalen Aktienfonds Europas. Dass er nun auch im direkten Anlegerverhalten eines großen Brokers vorne mitspielt, unterstreicht seine Position als Basisinvestment für langfristig orientierte Sparer.
Unruhiger Marktrahmen
Das Marktumfeld, in dem Anleger weiter zugreifen, ist derzeit alles andere als ruhig. Reuters berichtete, dass der europäische STOXX 600 am heutigen Donnerstag um 0,9 Prozent nachgab, nachdem Bankaktien unter steigenden Anleiherenditen und einem höheren Ölpreis gelitten hatten.
Bereits am Mittwoch war der Index um 0,45 Prozent gefallen, begleitet von Sorgen um die Energieversorgung im Nahen Osten und um Staatsfinanzen. Laut AP News kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zwischenzeitlich auf 5,36 Prozent, während Brent-Rohöl bei 100,20 Dollar schloss.
Der Indexanbieter FTSE Russell ordnete die Entwicklung in seinem Monatsbericht ein: Robuste Unternehmensgewinne hätten die Aktienmärkte im dritten Quartal gestützt, trotz neuer Energiestörungen. Zugleich hätten Inflation, fiskalische Sorgen und eine straffere Geldpolitik die Renditen auf Zyklushochs getrieben. Als Gewinner der Periode nannte FTSE Russell US-Großkonzerne und japanische Aktien, als führende Branche die Energiewirtschaft.
Kursreaktion bleibt moderat
Der Vanguard FTSE All-World notiert aktuell bei 172,14 Euro und verliert am heutigen Tag 0,6 Prozent, nachdem er am Mittwoch noch bei 173,14 Euro geschlossen hatte. Trotz des Rücksetzers bleibt der ETF nur 1,1 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch bei 174,00 Euro entfernt, das er am 7. Oktober markiert hatte.
Auf Jahressicht steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche – ein Niveau, das die breite Risikobereitschaft globaler Aktienanleger widerspiegelt, selbst wenn einzelne Handelstage von Renditesorgen geprägt sind.
Für breit gestreute Welt-ETFs wie diesen wirkt sich ein Tagesverlust an den europäischen Börsen naturgemäß gedämpft aus, da US-Großkonzerne und asiatische Märkte das Portfolio dominieren.
Genau diese globale Streuung dürfte auch der Grund sein, warum Anleger trotz schwankender Marktstimmung an ihrer Position festhalten oder sie sogar ausbauen: Wer monatlich in einen Welt-ETF investiert, kauft unabhängig von Tagesnachrichten aus einzelnen Regionen oder Branchen.
Die Kombination aus hoher Kaufnachfrage bei Brokern und soliden charttechnischen Abständen zu Hoch und Tief signalisiert, dass institutionelle wie private Anleger den jüngsten Renditeschub bislang nicht als Anlass für größere Umschichtungen werten.
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