Während Ölpreissprünge und ein Ausverkauf bei Technologiewerten die Weltbörsen in der vergangenen Woche belasteten, strömte weiter Kapital in passive Indexfonds. Vanguard setzte sich dabei als Emittent an die Spitze: Der Konzern verzeichnete in der Kalenderwoche 42 mit 2,20 Milliarden Euro die höchsten Netto-Zuflüsse aller ETF-Anbieter in Europa.
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation (ISIN IE00BK5BQT80) trug dazu mit 535,2 Millionen Euro den größten Einzelbeitrag unter allen in Europa gehandelten ETFs bei.
Das Ranking fällt in eine Phase erhöhter Nervosität an den Kapitalmärkten. Die Furcht vor einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran trieb den Brent-Preis zuletzt auf 116,72 Dollar je Barrel, ein Plus von 3,1 Prozent an einem einzelnen Handelstag.
Parallel dazu sorgte ein globaler Technologie-Ausverkauf für Verunsicherung: Medienberichten zufolge verlor der Nasdaq an einem Tag 2,6 Prozent, während asiatische Leitindizes wie der Kospi und der Hang Seng noch deutlicher nachgaben. Als Belastungsfaktor gelten hohe Bewertungen im KI-Sektor sowie steigende Finanzierungskosten für Rechenzentren und Chip-Investitionen.
Französische Anleihen als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor
Zum Risiko-Cocktail gesellte sich Druck aus dem französischen Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen kletterte am Donnerstag vergangener Woche auf 5,07 Prozent, den höchsten Stand seit 24 Jahren. Investoren flüchteten daraufhin in als sicherer geltende Staatsanleihen anderer Länder, während globale Aktienindizes nachgaben.
Dass der Vanguard FTSE All-World ETF trotz dieses Umfelds die höchsten Einzelzuflüsse Europas verzeichnete, deutet darauf hin, dass viele Anleger an ihrer langfristigen, breit gestreuten Strategie festhalten, statt auf die kurzfristige Volatilität mit Verkäufen zu reagieren.
Auf globaler Ebene bestätigt sich dieses Bild: Reuters berichtete unter Berufung auf LSEG Lipper, dass Aktienfonds weltweit in der Woche bis zum 21. Oktober 28,16 Milliarden Dollar an Netto-Zuflüssen einsammelten, die fünfte Woche in Folge mit positivem Saldo. Als Hintergrund nannte LSEG Lipper nachlassende Treasury-Renditen und besser als erwartete frühe Quartalsergebnisse.
Kursentwicklung spiegelt gemischtes Bild
Der Kurs des ETF reagierte auf die Marktturbulenzen verhalten. Am Freitag schloss das Papier bei 168,88 Euro, ein Minus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 0,6 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds dennoch mit 16 Prozent im Plus, ein Hinweis darauf, dass die jüngsten Rückschläge die langfristige Aufwärtsbewegung bislang nicht gebrochen haben.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen den beiden Vanguard-Anteilsklassen des FTSE All-World: Während die thesaurierende Variante mit ISIN IE00BK5BQT80 die wöchentlichen Zuflusslisten anführte, hatte die ausschüttende Schwesterklasse mit dem Kürzel VWRD bereits im September laut ETFGI mit 3,07 Milliarden Dollar den größten Einzelzufluss unter allen europäisch gelisteten ETFs verbucht.
Beide Produkte bilden denselben Index ab, richten sich jedoch an unterschiedliche Anlegergruppen – die thesaurierende Klasse reinvestiert Erträge automatisch, ohne dass es für sie Ausschüttungstermine gibt.
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