Vanguard senkt die Gebühren seines FTSE All-World UCITS ETF innerhalb eines Jahres zweimal. Die zweite Runde bringt eine Ersparnis für Anleger von rund 37 Millionen Dollar pro Jahr. Der Grund: Ein knallharter Preiskampf unter den größten Vermögensverwaltern Europas.
Der Fonds notiert aktuell bei 165,44 Euro, nur 0,99 Prozent unter seinem Rekordhoch von 167,10 Euro vom 22. Juni. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 13,81 Prozent zu Buche. Die Kursentwicklung spielt Vanguard in die Karten – aber der eigentliche Kampf tobt bei den Kosten.
Zweite Gebührensenkung binnen zwölf Monaten
Am 21. Juli kündigte Vanguard an, die laufenden Kosten seines FTSE All-World ETF von 0,19 Prozent auf 0,14 Prozent zu senken. Die Änderung greift ab dem 28. Juli. Erst im Oktober hatte der Anbieter die Gebühr von 0,22 auf 0,19 Prozent gedrückt.
In Summe hat Vanguard die Kosten binnen weniger als einem Jahr um 36,4 Prozent gesenkt. Das ist keine kosmetische Anpassung. Es ist eine direkte Reaktion auf aggressive Konkurrenz.
Die Konkurrenz drückt die Preise
Im April 2026 brachte DWS seinen Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF an den Start. BlackRock registrierte parallel ein iShares-Produkt mit demselben Index. Beide starteten mit einer Gebühr von 0,12 Prozent.
DWS legte im Juni nach und senkte die Kosten seines Xtrackers-Produkts auf 0,07 Prozent – der niedrigste Wert der Branche. State Street mischt mit seinem SPDR MSCI All-Country World UCITS ETF ebenfalls mit, bei 0,12 Prozent Gebühr. Vanguard bleibt trotz der Senkung teurer als die Konkurrenz. Der Konzern setzt stattdessen auf schiere Größe.
Kapital strömt trotz höherer Gebühr
Die Rechnung geht bislang auf. Laut TrackInsight zog der Fonds seit Jahresbeginn 18,2 Milliarden Dollar an frischem Kapital an – mehr als jeder andere Einzel-ETF weltweit. Allein im Juni kamen laut LSEG Lipper europaweit 3,5 Milliarden Euro hinzu, ein Bestwert unter allen ETFs des Kontinents.
Die thesaurierende Anteilsklasse verwaltete Ende Juni rund 49,83 Milliarden Dollar. Zusammen mit der ausschüttenden Variante kommt der Fonds auf fast 77 Milliarden Dollar. Diese Größe erlaubt Vanguard, Verwaltungskosten systematisch zu senken und die Ersparnis weiterzugeben.
Technologiewerte treiben die Rendite
Der zugrundeliegende FTSE All-World Index bildet große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Die Kursrichtung bestimmen derzeit vor allem Technologiewerte: Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon zählen zu den größten Positionen.
Mit rund 4.000 Einzeltitel bleibt der Fonds breit gestreut. Das dämpft Schwankungen – die annualisierte Volatilität liegt bei 11,81 Prozent über die letzten 30 Tage. Nach seiner Indexaufnahme ist auch der Raumfahrtkonzern SpaceX Teil des Portfolios.
Der Gebührenwettbewerb dürfte sich fortsetzen. Mit DWS bei 0,07 Prozent und BlackRock sowie State Street bei 0,12 Prozent bleibt Vanguard trotz der jüngsten Senkung das teurere Angebot unter den großen Anbietern. Ob weitere Preisrunden folgen, hängt davon ab, wie stark die Konkurrenz dem Marktführer weiter Kapital streitig macht.
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