Der weltgrößte passive Multi-Milliarden-Fonds auf Aktien aus Industrie- und Schwellenländern bildet seinen Referenzindex nicht eins zu eins ab – und das ist Absicht. Eine Portfolio-Momentaufnahme vom 31. Juli zeigte 3.782 Aktien im Vanguard FTSE All-World UCITS ETF, während der zugrunde liegende FTSE All-World Index 4.264 Titel umfasst. Vanguard verzichtet damit bewusst auf einen Teil der kleinsten und am wenigsten liquiden Positionen des Index.
Optimiertes Sampling statt Vollreplikation
Solche Abweichungen sind bei breit gestreuten Welt-ETFs üblich und werden als optimiertes Sampling bezeichnet. Der Fondsanbieter bildet dabei die relevanten Risikofaktoren, Länder- und Sektorgewichte des Index nach, ohne jede einzelne Randposition zu kaufen. Das senkt Transaktionskosten und verbessert die Handelbarkeit der Fondsanteile, ohne die Wertentwicklung nennenswert zu verzerren.
Für Anleger bedeutet das: Wer den Fonds hält, ist zwar in nahezu allen relevanten globalen Aktienmärkten investiert, aber eben nicht in den mehr als 480 zusätzlichen Nebenwerten, die der Index theoretisch enthält. In der Praxis dürfte sich das kaum auf die Rendite auswirken, da diese Titel typischerweise einen sehr geringen Indexanteil ausmachen.
Gebührensenkung bleibt im Hintergrund präsent
Der Fonds hatte vor gut einer Woche seine laufenden Kosten von 0,19 Prozent auf 0,14 Prozent gesenkt – eine Reaktion auf günstigere Konkurrenzprodukte von BlackRock und DWS, die mit 0,12 Prozent an den Markt gegangen waren.
Dieser Schritt bleibt für die Positionierung des Fonds relevant, auch wenn er inzwischen als Thema abgehakt ist: Die Kombination aus niedrigeren Kosten und einem effizient zusammengestellten Portfolio erklärt einen Teil der anhaltenden Attraktivität des Produkts für Sparpläne.
Kursbild bleibt ruhig
Am Aktienmarkt notiert der ETF aktuell bei 166,22 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 167,28 Euro. Der Tagesverlust von 0,6 Prozent reiht sich in eine leicht abwärts gerichtete Kursentwicklung der vergangenen Wochen ein, die den Fonds rund 1,3 Prozent unter das Niveau von vor 30 Tagen gedrückt hat. Verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 170,24 Euro, das am 13. August erreicht wurde, notiert der Anteilschein damit rund 2,4 Prozent tiefer.
Die jüngste Schwäche relativiert sich jedoch im längerfristigen Bild: Der Fonds bleibt eines der bevorzugten Kernanlage-Instrumente für Anleger, die kostengünstig an der globalen Aktienmarktentwicklung teilhaben wollen. Wer auf die Bündelung aus tausenden Einzelaktien setzt, akzeptiert dabei implizit, dass der Anbieter nicht jede Randposition des Index eins zu eins nachbildet, sondern das Portfolio auf Effizienz trimmt.
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