VanEck Semiconductor ETF: Kospi-Crash 10,84 Prozent durch China-Sorgen

Halbleiter-ETF erlebt heftige Kursschwankungen: China-Fortschritte und KI-Fragen prallen aufeinander. Trotz Erholung bleibt die Unsicherheit hoch.

Auf einen Blick:
  • China-Fortschritte lösen Chip-Ausverkauf aus
  • KI-Euphorie treibt Erholung nach Zinsentscheid
  • Analysten uneins über Marktbewertung
  • ETF notiert 20% unter Rekordhoch

Innerhalb weniger Tage kippte die Stimmung im Halbleitersektor gleich zweimal. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss am Freitag bei 89,23 Euro, ein Plus von 0,92 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Verlust von 4,45 Prozent stehen. Die Erklärung dafür liegt in einer brutalen Kollision zweier Ängste: Chinas Aufholjagd bei Chip-Technologie und die Frage, wie lange der KI-Investitionsboom noch trägt.

China-Schock löst Ausverkauf aus

Der Auslöser war konkret. Berichte, wonach chinesische Hersteller bei kritischer Chip-Fertigungstechnologie schneller vorankommen als gedacht, schickten europäische Halbleiterwerte auf Talfahrt. Verstärkt wurde die Sorge durch mehrere Ereignisse gleichzeitig: Nvidia verlor seinen Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt an Apple. Nvidia und die SK Group besiegelten eine milliardenschwere strategische Kooperation. Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT feierte in Shanghai ein spektakuläres Börsendebüt und schürte damit neue Zweifel an der Preisstabilität für Speicherchips.

Ein Bericht des Fachmediums The Information goss zusätzlich Öl ins Feuer. Ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen habe demnach mit der Massenproduktion einer Schlüsselkomponente für die Chip-Fertigung begonnen.

In Asien war der Schaden gravierend. Japans Nikkei 225 verlor 3,95 Prozent, Südkoreas Kospi brach um 10,84 Prozent ein. Die Kospi-Schwergewichte Samsung und SK Hynix stürzten um 13,4 beziehungsweise über 14,7 Prozent ab. Auch SoftBank und Advantest gerieten mit Verlusten von 4,43 und über 10 Prozent unter die Räder.

In den USA riss der Philadelphia Semiconductor Index kurzzeitig die Marke von 11.000 Punkten nach unten – mehr als 25 Prozent unter seinem Junihoch. Speicherchip-Werte traf es am härtesten: Micron und Seagate verloren über 8 Prozent, Western Digital knickte um fast 7 Prozent ein, Sandisk sackte 14 Prozent ab. In Südkorea fielen Samsung SDI um 11,37 Prozent und LG Innotek sogar um 16,29 Prozent.

Die Kehrtwende am Donnerstag

Genauso schnell wie der Ausverkauf kam, drehte die Stimmung wieder. Am Donnerstag hielt die US-Notenbank die Zinsen unverändert. Die US-Börsen erholten sich kräftig, angeführt von Microsoft und Halbleiterwerten. Der Nasdaq Composite legte 2,8 Prozent zu und beendete damit eine sechstägige Verlustserie.

Microsoft-Aktien sprangen um 16 Prozent nach überraschend starkem Wachstum im Cloud-Geschäft Azure. Der Kurssprung strahlte auf den gesamten KI-nahen Chipsektor aus, den der VanEck-ETF abbildet. Am Freitag setzte sich die Erholung fort: Microsofts positiver Cloud-Ausblick und Stärke bei Nvidia belebten den KI-Handel neu, nachdem die China-Sorgen die Anleger zuvor verschreckt hatten.

Analysten uneins: Überreaktion oder echtes Risiko?

An der Wall Street gehen die Meinungen auseinander, ob der Ausverkauf gerechtfertigt war. Ein Argument gegen Panik: Speicherpreise steigen weiter, statt zu fallen. Die DRAM-Verträge für das dritte Quartal wurden 20 bis 30 Prozent höher abgeschlossen als zuvor. Google und Meta haben zudem Fünfjahresverträge unterschrieben, die Preise und Volumina festschreiben. Analysten erwarten nennenswerte neue Angebotskapazitäten frühestens 2028.

Wells-Fargo-Stratege Ohsung Kwon verweist auf eine ungewöhnliche Verschiebung: Die Korrelation zwischen Halbleiterwerten und Hyperscalern fiel diesen Monat auf minus 31 Prozent – ein historischer Tiefstwert. Chips handeln damit eher im Gleichlauf mit klassischen Industriewerten als mit Cloud-Konzernen. Der Chief Investment Officer für Aktien bei Standard Chartered schlägt einen konstruktiveren Ton an: Der Markt sei groß genug, damit mehrere Anbieter gleichzeitig profitieren und nebeneinander bestehen können. Der KI-Investitionszyklus stütze weiterhin die führenden Technologiekonzerne.

Nicht alle sehen die Sorgen als übertrieben an. JPMorgan-Stratege Nikolaos Panigirtzoglou schreibt, der Abbau von Fremdkapital-Positionen im Tech- und Halbleitersektor – inklusive Speicherchip-Aktien – sei schneller vorangeschritten als erwartet. Das senke allerdings das Risiko weiterer Zwangsverkäufe in den kommenden Wochen.

Ein Sommer der Extreme

Die jüngsten Ausschläge fügen sich in ein Muster, das den Sektor den ganzen Sommer über geprägt hat. Der ETF hatte Anfang Juli sein bestes erstes Halbjahr aller Zeiten hingelegt, mit einem Plus von 82 Prozent in sechs Monaten. Seit Jahresbeginn steht seit dem 1. August ein Kursplus von 67,51 Prozent zu Buche.

Diese Dynamik wich anschließend heftigen Schwankungen in beide Richtungen, sobald die Bewertungen ausgereizt waren. Der Leiter der technischen Analyse bei RenMac wies bereits Ende April auf ein aktiviertes Blasensignal für den SOX-Index hin – damals der einzige Marktbereich, der als überhitzt galt.

Der ETF notiert derzeit rund 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro aus dem Juni. Der Kurs liegt unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 98 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 70,14 Euro. Ob die Microsoft-getriebene KI-Euphorie die Sorgen um chinesische Konkurrenz und überzogene Investitionsausgaben der Hyperscaler überdauert, entscheidet sich in den kommenden Wochen an genau diesem Spannungsfeld zwischen kurzfristiger technischer Schwäche und langfristigem Aufwärtstrend.

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