Washington pumpt frisches Geld in die Chipbranche. Gleichzeitig verkaufen Investoren in Asien Halbleiteraktien im großen Stil. Für den VanEck Semiconductor ETF (SMH) ergibt das ein widersprüchliches Bild: politischer Rückenwind auf der einen Seite, nervöse Kursausschläge auf der anderen.
Am 30. Juli schloss der Fonds bei 538,66 Dollar. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 49,58 Prozent zu Buche, das verwaltete Vermögen liegt bei 67,68 Milliarden Dollar. Diese Zahlen zeigen: Trotz der jüngsten Turbulenzen bleibt SMH einer der erfolgreichsten Sektor-ETFs des Jahres.
Washington erhöht seinen Einsatz
Das US-Handelsministerium hat Absichtserklärungen für Förderungen in Höhe von 874 Millionen Dollar unterzeichnet. Sieben Unternehmen sollen davon profitieren, alle arbeiten an Halbleitertechnologien für KI und Hochleistungsrechner. Die Mittel stammen aus dem CHIPS and Science Act und sollen die heimische Chipproduktion stärken.
GlobalFoundries erhält bis zu 300 Millionen Dollar für die Entwicklung optischer Verbindungstechnik, die Datenübertragung per Licht mit KI-Prozessoren koppelt. Kepler bekommt bis zu 245 Millionen Dollar für neue KI-Speichertechnologie. Multibeam Corporation kann mit bis zu 140 Millionen Dollar für fortschrittliche Verpackungstechnik rechnen.
Die restlichen vier Firmen – Extropic, Thintronics, OBSIDIA Semiconductors und Aeluma – erhalten kleinere Summen für Material- und Verpackungsforschung. Bemerkenswert ist die Struktur der Deals: Das Ministerium sichert sich in jedem Fall eine Minderheitsbeteiligung ohne Kontrollrechte. Diese Praxis kennt man bereits von der größeren Intel-Beteiligung der Regierung. Sie zeigt, wie eng US-Industriepolitik mittlerweile mit der heimischen Chip-Lieferkette verflochten ist – jener Lieferkette, die das Anlageuniversum von SMH bildet.
Rekordgewinne, die niemanden beeindrucken
Während die Politik Vertrauen aufbaut, bröckelt es an der Börse. Die südkoreanische SK Hynix meldete Rekordergebnisse dank des KI-Booms. Die Aktie fiel trotzdem um fast 10 Prozent. Selbst ein Quartalsgewinn von 64 Milliarden Dollar reichte den Investoren offenbar nicht.
Einen Tag zuvor hatten Anleger bereits Chip- und Speicherwerte in Asien abgestoßen. Sorgen um explodierende Investitionsausgaben der Tech-Konzerne trieben die Verkäufe an, dazu kamen Anzeichen, dass China im KI-Wettlauf aufholen könnte.
Diese Unruhe blieb nicht auf Asien beschränkt. SMH verzeichnete im Juli mehrere Tage mit Verlusten von über 4 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen verlor der Fonds rund 10 Prozent – eine der volatilsten Phasen für Halbleiter-ETFs seit Jahren, nachdem eine historische Rally in Gewinnmitnahmen umschlug.
Breite Aufstellung fängt die Schwankungen ab
Die Fondsstruktur von SMH federt einen Teil dieser Turbulenzen ab. Der ETF hält 26 Einzelpositionen. Nvidia führt mit 20,78 Prozent, gefolgt von Taiwan Semiconductor mit 9,18 Prozent, Broadcom mit 6,19 Prozent, AMD mit 6,00 Prozent und Micron Technology mit 5,28 Prozent.
Eine Gewichtungsobergrenze im zugrunde liegenden MVIS-US-Listed-Semiconductor-25-Index sorgt dafür, dass selbst Nvidia beim nächsten Rebalancing gestutzt wird, sobald die Position die Decke durchbricht. Dieser Mechanismus hält den Fonds über Designer, Foundries, Speicherhersteller und Ausrüster hinweg diversifiziert. Er hängt nicht an einem einzigen KI-Aushängeschild. Das ist relevant, weil GlobalFoundries – einer der Nutznießer der neuen CHIPS-Fördermittel – im selben Foundry-Segment konkurriert wie die Top-Positionen von SMH.
Kapital fließt trotz Volatilität weiter
Im Vergleich zu Konkurrenten wie dem iShares Semiconductor ETF oder dem SPDR S&P Semiconductor ETF bleibt SMH das größte und liquideste Vehikel für Chip-Exposure. Die Zuflüsse belegen das: 3,53 Milliarden Dollar innerhalb eines Monats, 4,35 Milliarden Dollar über drei Monate und 12,39 Milliarden Dollar über zwölf Monate.
Die neuen Bundesförderungen liefern der ohnehin von KI getriebenen Nachfragestory zusätzlichen Rückenwind. Die kurzfristige Kursentwicklung spiegelt trotzdem die Vorsicht der Anleger wider – vor allem mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Investitionsausgaben in der gesamten Chip-Lieferkette, die SMH abbildet.
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