Der VanEck Semiconductor UCITS ETF notiert am Montag bei 95,33 Euro – ein Plus von 3,57 Prozent. Die Erholung folgt auf den heftigsten Ausverkauf im Chip-Sektor seit Jahren. Auslöser der Kehrtwende: Nvidia-CEO Jensen Huang.
Huang macht Mut in Seoul
Während eines Besuchs in Südkorea rief Huang Anleger zum Einstieg auf. Der Aufbau künstlicher Intelligenz stehe erst am Anfang, sagte er. „Jeder sollte sich freuen“ über die KI-getriebene Zukunft. Die Botschaft verfing. Der Philadelphia Semiconductor Index, weltweit wichtigster Chip-Index, war am Freitag um zehn Prozent eingebrochen und hatte über eine Billion Dollar Börsenwert vernichtet – der stärkste Tagesverlust seit März 2020. Am Montag drehte der Index wieder nach oben.
Der Ausverkauf am Freitag hatte zwei Auslöser. Broadcom verfehlte mit seiner Prognose für KI-Chip-Umsätze im dritten Quartal die Analystenerwartungen: 16 statt 17,2 Milliarden Dollar. Eine Anhebung der Jahresprognose für KI blieb aus. Das löste eine Verkaufswelle aus. Broadcom verlor 14 Prozent, Nvidia sechs Prozent, AMD stürzte um fast elf Prozent ab.
Hinzu kam ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Die deutlich gestiegenen Beschäftigungszahlen schürten Ängste vor einer strafferen Geldpolitik der Fed – ein zusätzlicher Belastungsfaktor für riskante Tech-Werte.
Schwergewichte im Fokus
Die größten Positionen im ETF trafen die Verluste am härtesten. Micron Technology ist mit 14,11 Prozent gewichtet, AMD mit 11,90 Prozent, ASML liegt auf Platz drei. Der Index begrenzt Einzeltitel auf maximal zehn Prozent, was die Konzentration im Vergleich zu marktkapitalisierten Indizes reduziert.
Die strukturelle Nachfrage bleibt intakt. Huang zufolge sind die Kapazitäten für HBM-Speicher bei SK Hynix bis 2027 ausgebucht. Die nächste Generation HBM4 soll noch 2026 in die Massenproduktion gehen. Und Broadcom hält an seinem KI-Umsatzziel von über 100 Milliarden Dollar für 2027 fest, mit langfristigen Aufträgen von Google, Meta und Anthropic.
Strategen sehen keine Trendwende
Marktbeobachter werten den Kollaps als Positionsbereinigung – nicht als Bruch der Fundamentaldaten. Ohsung Kwon, Chefaktienstratege bei Wells Fargo, sagte: „Der Sektor war überkauft. Die Verkäufe sind positionsgetrieben, nicht das Ende des Bullenmarkts für Chips.“
Trotz des wöchentlichen Minus von 1,64 Prozent bleibt die langfristige Performance beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht der ETF bei plus 73,45 Prozent, auf Zwölfmonatssicht bei 149,42 Prozent. Der Montag könnte der Wendepunkt sein – vorausgesetzt, Huang behält recht mit seiner Zuversicht.
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