Drei Prozent Verlust an einem Tag, acht Prozent Gewinn am nächsten. Der VanEck Semiconductor ETF hat eine der turbulentesten Wochen seit Monaten hinter sich – und schließt trotzdem fast unverändert.
Am Freitag ging der Fonds mit 540,53 Dollar aus dem Handel. Das sind 0,30 Prozent mehr als am Vortag. Hinter dieser Ruhe verbirgt sich aber ein wilder Ritt, ausgelöst durch die jüngste Zinsentscheidung der US-Notenbank.
Die Fed schickt Chipwerte auf Talfahrt
Der Auslöser saß in Washington. Die Federal Reserve beließ die Zinsen unverändert, doch drei abweichende Stimmen im Gremium signalisierten Unterstützung für eine straffere Geldpolitik. Der Nasdaq 100 rutschte daraufhin in Korrekturterritorium.
Chipwerte traf es besonders hart. Der VanEck Semiconductor ETF verlor rund drei Prozent. Micron Technology und Western Digital büßten je etwa fünf Prozent ein, auch Seagate Technology und Astera Labs gaben nach. Die Schwäche aus dem asiatischen Handel setzte sich damit fort.
Der Ausverkauf hielt aber nicht lange. Am Donnerstag drehten die US-Börsen kräftig. Der Nasdaq Composite legte um 2,8 Prozent zu und beendete eine sechstägige Verlustserie.
Halbleiter führten die Erholung an. Der iShares Semiconductor ETF sprang um mehr als acht Prozent. Micron Technology schoss um 18 Prozent nach oben, Advanced Micro Devices kletterte über 13 Prozent. Der Technologiesektor im S&P 500 verzeichnete damit seinen größten Tagesgewinn seit Mitte 2025.
Kapitalabfluss nach Rekordserie
Semiconductor-ETFs hatten den ganzen Sommer über Rekordsummen eingesammelt. Ende Juli kippte die Dynamik. In der Woche bis zum 28. Juli zog VanEcks Fonds laut ETF.com netto rund 1,9 Milliarden Dollar ab – nach mehreren Wochen mit milliardenschweren Zuflüssen im zweiten Quartal.
Der Abfluss lässt sich eher mit der extremen Volatilität erklären als mit einem Zweifel an der Investmentthese. 82 Prozent der Fondsmanager bezeichnen den Halbleiter-Trade inzwischen als den am stärksten überlaufenen Trade der Geschichte. Diese Überfüllung verstärkte Tempo und Tiefe des Rückgangs. Trotzdem blieben die Zuflüsse in den SMH während der Schwächephase robust – viele Marktteilnehmer werten den Einbruch offenbar als Konsolidierung, nicht als strukturelle Wende.
Zehn Namen bestimmen den Kurs
Der Fonds hängt an wenigen Schwergewichten. Nvidia allein macht 21,70 Prozent des Portfolios aus, gefolgt von Taiwan Semiconductor Manufacturing mit 9,51 Prozent und Broadcom mit 6,74 Prozent. AMD, ASML Holding und Texas Instruments folgen mit Anteilen zwischen fünf und knapp fünf Prozent.
Micron Technology, Analog Devices, Applied Materials und Qualcomm runden die Top Zehn ab, jeweils mit Gewichtungen um die vier bis fünf Prozent. Diese Konzentration erklärt, warum wenige Aktien den gesamten Fonds bewegen können – Donnerstags Erholung war dafür ein Lehrbuchbeispiel.
Bei der Bewertung bleibt Vorsicht angebracht. Der Fonds notiert aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40,76. Das durchschnittliche Tagesvolumen liegt bei rund 15,93 Millionen Anteilen. Innerhalb der letzten zwölf Monate schwankte der Kurs zwischen einem Hoch von 671,83 Dollar und einem Tief von 279,19 Dollar.
Ein Monat mit scharfen Einschnitten
Der Wochenschluss wirkt harmloser, als es der Monat war. In den vergangenen 30 Tagen fiel der SMH um etwa zehn Prozent, von rund 612 auf etwa 548 Dollar. Der Rückgang verlief nicht als sanfter Abwärtstrend, sondern in scharfen Schüben – mehrere Tage im Juli verzeichneten Verluste von über vier Prozent.
Der langfristige Trend bleibt davon unberührt. Im zweiten Quartal legte der Fonds um mehr als 70 Prozent zu, die beste Quartalsperformance seit Auflage. Der Philadelphia Semiconductor Index gewann im selben Zeitraum sogar über 87 Prozent, getrieben von der Nachfrage nach KI-Chips.
SOXX zieht in der Erholung davon
Nicht alle Halbleiter-ETFs bewegten sich synchron. Beim Erholungssprung am Donnerstag ließ der iShares Semiconductor ETF seinen Konkurrenten SMH hinter sich. Die Differenz erklärt sich aus unterschiedlicher Indexzusammensetzung und Gewichtung. Beide Fonds bleiben trotzdem die größten Kapitalsammelstellen des Sektors in diesem Jahr.
Die Marke bei 510 Dollar zählt
Trader richten den Blick auf eine kritische Unterstützungszone zwischen 510 und 520 Dollar. Die Optionspositionierung hat sich zuletzt in Richtung bärisch verschoben. Negative Gamma-Effekte könnten die Volatilität und das Abwärtsrisiko verstärken, sollte diese Zone brechen.
Mit dem Freitagsschluss bei 540,53 Dollar liegt der Fonds noch komfortabel über dieser Schwelle – aber weit unter seinem Jahreshoch. Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie der Sektor die laufende Berichtssaison verdaut und welche Signale als Nächstes von der Fed kommen.
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