VanEck Semiconductor ETF: 18 Prozent Absturz in wenigen Wochen

Halbleiter-ETF legt nach heftigem Kursrutsch wieder zu. Analysten sehen Stimmungstief statt schwacher Fundamentaldaten, Investoren wittern Einstiegschancen.

Auf einen Blick:
  • Chip-ETF steigt um über drei Prozent
  • Sektor verlor zuvor eine Billion Dollar
  • Analysten: Kein Fundamentaldaten-Problem
  • Käufer sehen attraktive Bewertungen

Ein Kursplus von über drei Prozent nach einem Absturz von fast 18 Prozent binnen weniger Wochen. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF zeigt am Freitag, wie nervös der Markt für Halbleiter-Aktien derzeit reagiert. Auslöser der Erholung: Ein brutaler mehrtägiger Ausverkauf, der über eine Billion Dollar an Sektorwert vernichtet hatte, scheint vorerst gestoppt.

Der Fonds notiert bei 91,54 Euro, nach einem Donnerstagsschluss von 88,71 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 111,18 Euro, erreicht Ende Juni, bleibt der ETF aber weiterhin fast 18 Prozent entfernt. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 98,05 Euro noch klar über dem aktuellen Niveau.

Ein Ausverkauf mit vielen Verlierern

Die Vorwoche traf die gesamte Chipbranche hart. Intel verlor knapp 6 Prozent, AMD über 8 Prozent. Bei den Speicherchip-Herstellern sah es nicht besser aus: Micron und Seagate büßten mehr als 8 Prozent ein, Western Digital fiel knapp 7 Prozent, Sandisk verlor sogar 14 Prozent.

Asiatische Märkte traf es noch härter. Die südkoreanischen Schwergewichte Samsung und SK Hynix stürzten um 13,4 beziehungsweise über 14,7 Prozent ab. Das drückte die Stimmung für Chip-Zulieferer rund um den Globus, die am Ausbau der KI-Infrastruktur hängen.

Sentiment statt Fundamentaldaten

Analysten sehen den Ausverkauf nicht als Reaktion auf schlechte Geschäftszahlen. Michael Field, Chefstratege bei Morningstar, führt den Rückgang „größtenteils auf Stimmung statt Fundamentaldaten“ zurück. Es handle sich schlicht um einen „Vertrauensverlust“ – KI-Aktien blieben Wachstumswerte, deren Bewertung stark von künftigen Cashflows abhänge.

Zusätzlichen Druck brachte Konkurrenz aus China. Der Börsengang des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT in Shanghai verlief spektakulär und weckte Sorgen, dass dessen rasche Expansion die Speicherchip-Preise drücken könnte. Ein Bericht über die Massenproduktion einer wichtigen Chipfertigungsanlage durch ein chinesisches Staatsunternehmen befeuerte die Verkäufe zusätzlich. Hinzu kam die Furcht vor neuen Zinserhöhungen der US-Notenbank.

Käufer sehen Chance statt Warnsignal

Nicht alle Marktteilnehmer bewerten den Rückschlag negativ. Die Fondsgesellschaft Aberdeen betrachtet den Ausverkauf als Kaufgelegenheit statt als Zeichen schwächelnder Fundamentaldaten. Die gesunkenen Bewertungen böten die Chance, „hochwertige Unternehmen zu attraktiveren Preisen“ ins Portfolio zu holen, so die Einschätzung des Hauses.

Auch Standard Chartered bleibt langfristig konstruktiv. Sundeep Gantori, Chief Investment Officer für Aktien, sagt, der Markt sei „groß genug für mehrere Player, die nebeneinander bestehen können“. Die Bank erwartet zwar, dass Speicherchip-Preise erst 2027 ihren Höhepunkt erreichen. Das Chance-Risiko-Verhältnis habe sich bei den aktuellen Bewertungen aber bereits verbessert, so Gantori.

Chips und Software laufen auseinander

Die Turbulenzen offenbaren eine tiefere Verschiebung im Tech-Sektor. Software- und Halbleiter-Aktien bewegten sich jahrelang weitgehend im Gleichlauf. Das ist vorbei: In 32 der vergangenen 60 Handelstage liefen die entsprechenden ETFs in entgegengesetzte Richtungen – der höchste Wert seit ihrer Auflage im Jahr 2001. Die 60-Tage-Korrelation ist von einem langfristigen Schnitt um 0,75 auf nahezu null gefallen.

Der breite Markt hat den Schock bislang gut verkraftet. Rund 72 Prozent der S&P-500-Werte notieren über ihrem 200-Tage-Durchschnitt – die stärkste Marktbreite seit Dezember 2024. Das deutet darauf hin, dass Investoren den Halbleiter-Einbruch bislang als sektorspezifische Rotation einordnen, nicht als generelle Marktwarnung.

Die Erholung vom Freitag ändert wenig an der grundsätzlichen Nervosität im Sektor. Die annualisierte Volatilität des Fonds liegt bei knapp 62 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie heftig die Kursausschläge bei Halbleiter-Aktien derzeit ausfallen können.

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